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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. 8- 557.
leistungen geben den Beweis, daß ein reger Sinn, eine frische Beteiligung an künst-lerischer Werken immer weitere Kreise ergreift. Je mehr aber ein wahrhaft gesundesGedeihen der Kunst auf ihrer Volkstümlichkeit bemht, desto mehr hat diese selbst ihreIdeale treu und rein zu hüten und sich vor den Abwegen zu wahren, die ihr von derMusik, dem Realismus zugewendeten Zeitrichtung drohen. — Wie die bildenden Künsteeinen selbständigen Entwickelungsgang und einen neuen Aufschwung nahmen, so be-freite sich auch die Tonkunst von den kirchlichen Banden, in die sie durch Pa-lestrina (Z. 370, 6) auf katholischer, durch Bach und Händel (8- 499) auf pro-testantischer Seite gelegt worden. Seitdem erlangte die weltliche Musik, die in derAus Oper ihren vollendetsten Ausdruck empfing, die Herrschaft. Nachdem Chr. v. Gluck1787. in mehreren klassischen Opern (Orpheus, Jphigenie) dem musikalischen Drama eine^ 1732 -" höhere Bedeutung verliehen, und Jos. Haydn in den beiden Oratorien die Jahres-i8vs. zeiten und die Schöpfung dem Anmutigen und Erhabenen Ausdruck gegeben, hat
Wolsg. Am. Mozart aus Salzburg, ein Künstler von wunderbarer Begabung und ^i79i. Vielseitigkeit, eine Anzahl von Opern (Figaro, Don Juan, Zauberflöte) geschaffen,Beethoven welche wie die Dramen Schillers stets der Stolz und die Freude des deutschen Volkesi77o- ftm werden; hat Ludw. Beethoven in seinen Symphonieen und Sonaten iinMent>eis- ^i/te der Romantiker ein reiches, leidenschaftlich bewegtes Seelenleben entfaltet; hatsoh>, Felix Mendelssohn, der feinsinnige und geschmackvolle Repräsentant moderner Bil-E? düng, in seinen Oratorien „Paulus" und „Mas", in seiner Musik zu ShakespearesWeber Sommernachtstraum und in anderen Werken ein herrliches Talent bewiesen. DieEs? romantische Oper Karl Maria von Webers (Freischütz, Oberon) gab den durch dieMeyer- romantische Poesie angeregten Jdeeen den edelsten und echt volkstümlichen Ausdruck.
Den Mangel an kräftiger und einheitlicher Erfindung suchte Meperbeer durch Raffi- !^1864. nement und übertriebene musikalische Effekte zu verdecken (Hugenotten, Prophet). ^Isis-* Eine neue Epoche ging der deutschen Oper mit Richard Wagner auf; noch einmalSckMbert tauchte durch ihn die musikalisch-deklamatorische Oper auf die Oberfläche der Zeit.1797- Ein Nachfolger Glucks im Prinzip, leitete ihn seine Muse gleichwohl nicht zur Ein-Schumaim fachheit, sondern immer mehr ins Ungeheuerliche, überschwengliche. Noch nie hatÄss? ein Künstler zugleich so erbitterte Feinde und so begeisterte Freunde gehabt (Tann-Sponuni Häuser, Lohengrin, Nibelungentrilogie). Als Liederkomponisten haben sich Franzi8si. Schubert und Robert Schumann einen gefeierten Namen erworben. Auch m .
Italien, der alten Pflanzstätte der Musik, haben Spontini und Cherubim,
1842. Rossini und Verdi im Geiste Glucks und Mozarts edle Tonstücke geschaffen.
I? Neue Nevolutionsbewegungen.
1. Die Pariser Zulirevolution und ihre Folgen.
Z. 857. Ohne Rücksicht auf die öffentliche Meinung schritt Karl X. aufder Bahn der Reaktion fort. Das liberale Ministerium Martignac (seitb' 18 »».'^Januar 1828) mußte einem ultraroyalistischen unter Polignaes Vorsitz wei-, chen und als die Kammer in der Eröffnungsadresse ihr Mßfallen über die^i8»o^ Politik der Regierung zu erkennen gab, erfolgte die Auflösung und eine neueWahl. Umsonst! Die Männer der Opposition erschienen in verstärkter Zahlund bestätigten somit das Mißtrauen des Volkes in das neue Ministerium-Karl X. ließ sich nicht belehren. Er hoffte vergebens, der Kriegsruhm, womitdie französischen Truppen sich zu derselben Zeit in Afrika bedeckten, wo sie z»rRache für die Beschimpfungen, die der Dey von Algier den Schiffen und demKonsul Frankreichs zugefügt, dessen Hauptstadt eroberten und die französisches. Juii. Fahne auf den Zinnen der alten Räuberstadt aufpflanzten, würde in der Na-tion eine günstigere Stimmung erzeugen. Kaum brachte der Moniteur die be-