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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen.
8. 561.
Februar
1832.
wandten ihrem Vaterlande den Rücken, vorziehend, das Brot der Trübsal auffremdem Boden zu essen, als der allmählichen Vernichtung der polnischen Na-tionalität geduldig zuzusehen. Die Teilnahme des deutschen Volkes, welchesdie Unglücklichen auf ihrem schweren Gange gastlich aufnahm und unterstützte,war eine Linderung ihres Kummers. In Polen, Litauen, Volhynien ergingenstrenge Strafgerichte über die Schuldigen; Sibiriens Bergwerke bevölkertensich mit Verurteilten. Durch das „organische Statut" verlor dann Polenseine Verfassung, seinen Reichstag und seinen Reichsrat und wurde als russische
mit eisernem Scepter in dem gedemütigten Warschau. Abermals hatten diePolen bewiesen, daß sie Wohl hochherziger, patriotischer Regungen und tapfererThaten, keineswegs jedoch eines einträchtigen Strebens und edler Selbstauf-opferung fähig seien. Die Emigranten aber suchten in der Folge vergebensdurch Verschwörungen und Aufstände in Krakau, Galizien und Posen dieWiedererstehung ihres Vaterlandes zu bewirken. Neue Verfolgungen und dieendliche Einverleibung des Freistaats Krakau in die österreichische Monarchie(1846) waren die Ergebnisse ihrer tollkühnen Unternehmungen.
Z. 561. Auch in Deutschland rief die Nachricht von der Julirevolutioneine mächtige Bewegung hervor. Die Fürsten, besorgt, das bekannte Gelüstender Franzosen nach der Rheingrenze möchte einen neuen Krieg herbeiführen, ge-wahrten mit Unruhe die zwischen Volk und Regierungen bestehende Uneinigkeitund eilten teils durch billige Zugeständnisse, teils durch rasche Anerkennungglücklich vollbrachter Umgestaltungen die Unzufriedenheit zu mindern und eingemeinsames Handeln zu hintertreiben. Die Aufstände in den KönigreichenHannover und Sachsen wurden durch Gewährung freisinniger Staatsver-sassungen und Abstellung drückender Mißbräuche und Beschränkungen bei-gelegt; rn Braunschweig, wo die Einwohner das Schloß zerstörten und denHerzog Karl zur Flucht trieben, übernahm dessen Bruder Wilhelm die Re-gierung und versöhnte die Gemüter durch Verbesserung der Landesverfassung-In Hessen-Kassel wurde Kurfürst Wilhelm II. dahin gebracht, dem Landeeine freisinnige Verfassung zu geben. Allein der Haß, den das Volk bald nach-her gegen die Gräfin Reichenbach (Lessonitz), seine unebenbürtige Gemahlin,an den Tag legte, beleidigte den Kurfürsten dermaßen, daß er seinen Sohn, denKurprinzen, zum Mitregenten erhob und sich mit der Gräfin und seinenSchätzen aus Hessen entfernte. Er lebte teils in Baden-Baden, teils in Frank-furt, au welchem Orte er am 20. November 1847 starb. In Baden wurdePreßfreiheit eingeführt, in den süddeutschen Kammern erlangten die Libe-ralen die Oberhand und drangen auf Änderungen und Reformen in Verfassungund Verwaltung. Aber die zunehmende Kühnheit der Partei in Schrift undRede, die sich besonders auf dem Hambacher Feste in Rheiubayern kund gab,führte bald wieder Beschränkungen und Reaktionen herbei. Der friedfertigeCharakter des Julikönigtums und der Fall von Warschau befreite die deutschenRegierungen von der Furcht, die liberalen Bewegungen möchten von außenunterstützt werden; und die unbesonnene Unternehmung einiger jugendlichenBrauseköpfe, Studenten, Litteraten und politischer Flüchtlinge, durch dasApril Frankfurter Attentat den Bundestag zu sprengen und einen gewaltsamen Um-sturz herbeizuführen, arbeitete den Männern des Rückschritts in die Hände-Das thörichte Unterfangen und sein kläglicher Ausgang versetzte dem Liberalis-mus eine trefe Wunde, zog über die Häupter und Stimmführer schwere Verfol-gung herab. Verhaftungen und gerichtliche Untersuchungen wurden über dieSchuldigen und Verdächtigen verhängt; Kerker und Festungen füllten sich rrm
Mai
18SL.
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