426
IS. Aug.181».
MLr,
181».
L7. April181».
Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. 8- 573. 574.
Dennoch widerstanden die ungarischen Heere unter Görgey, Klapka und an-dern tapfern Feldherren noch mehrere Monate. Aber innere Zerwürfnissezwischen den polnischen und magyarischen Anführern, sowie ein zwischen Kossuthund Görgey entstandener Zwiespalt lahmten die Kraft der Insurgenten. Vonallen Seiten in die Enge getrieben, streckte der zum Diktator ernannte Gör-gey bei Vilagos vor den Russen die Waffen und führte dadurch die Unter-werfung des Landes herbei; Kossuth und viele Jnsurgentenführer fandenSchuh aus türkischem Boden, und Görgey durfte in Klagenfurt sicher sein Lebenverbringen; aber groß war die Zahl derer, die durch kriegsgerichtliches Urtenstarben, in den Kerkern schmachten oder im Troß und Fuhrwesen der öster-reichischen Heere dienen mußten.
ß. 573. Ungarns Fall durch die Katastrophe von Vilagos War derSchluß der revolutionären Bewegung, die seit der Pariser Februar-RevolutioNüber Europa gekommen war. In Deutschland hatte sie schon vorher ihr Endeerreicht. — Unter vielen Kämpfen war endlich die Frankfurter Nationalver-sammlung zur Lösung ihrer Aufgabe gelangt. Sie hatte die „Grundrechtedes deutschen Volkes" ausgestellt und bekannt gemacht und war zuletzt auchmit der Reichsverfassung zustande gekommen. Die Gagernsche Partei, dienach einem deutschen Bundesstaat mit einem Erbkarsertum und einer rnStaaten- und Volkshaus geteilten gesetzgebenden Versammlung strebte,hatte endlich mit geringer Stimmenmehrheit ihre Anträge durchgesetzt, nachdemsie sich durch die Annahme eines demokratischen Wahlgesetzes mit allgevEnem Stimmrecht den Beistand vieler Mitglieder der Linken erworben. Durchdieses „Kompromiß" war die neue Reichsverfassung zum Abschluß gekommenund auch die Übertragung der Erbkaiserwürde an den König vonPreußen durchgesetzt worden. Eine feierliche Deputation, den würdigen Prä-sidenten Simson an der Spitze, überbrachte nun dem König von Preußen denBeschluß der Versammlung und bot ihm die Kaiserwürde an, unter der Be-dingung einer Annahme der Reichsverfassung in allen ihren Bestimmungen.Es war ein großer geschichtlicher Augenblick, als am 3. April König FriedrichWilhelm IV. im Rittersaal seines Schlosses zu Berlin die Botschaft entgegen-nahm; mit der größten Spannung erwartete die deutsche Nation die Ergebnissedieses Schrittes. Aber der König gab zuerst eine unbestimmte Antwort unoschlug dann die ihm vom Volke dargebotene Würde entschieden aus. WffTriumphatoren waren die Deputierten des Parlaments ausgezogen, fast wiezersprengte Flüchtlinge kehrten sie nach Frankfurt zurück. Als die unterdessenwieder einberufene preußische Ständeversammlung eine Adresse an dwKrone beschloß, worin die Annahme der Kaiserwürde und der Reichsverfassungals Wunsch der Nation empfohlen wurde, erfolgte die Auslösung der zwei-ten und die Vertagung der ersten Kammer und dann eine Abände-rung des Wahlgesetzes, so daß statt des allgemeinen Stimmrechts eMnach drei Steuerklassen geordnetes Wahlverfahren in Zukunft eintreten sollte-
Z. 574. Die Ablehnung der Reichsverfassung brachte neue Revolutions-stürme über Deutschland. Die Demokraten, die bisher weder mit dem Frank-furter Parlamente, noch mit der Reichsverfassung und der „historischen Senti-mentalität" eines Erbkaisertums zufrieden waren, benutzten jetzt die Verwer-fung als Vorwand zu neuen Schilderhebungen. Es entstanden heftige Aufständeund blutige SkaßxMnipfx zur „Durchführung der Reichsverfassung" undzwar zunächst in den Staaten, die sich der Einführung widersetzten, in SaMsen, m der bayerischen Pfalz, in einigen Gegenden Rheinpreußens. BaldWurden jedoch auch andere Staaten in die Bewegung hineingerissen, und alsnamentlich im Großherzogtmn Baden, wo die Regierung die Reichsverfassung