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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Die Pariser Februar-Revolution und ihre Folgen.

anerkannt hatte, eine Militärmeuterei in der Festung Rastatt ausbrach, dieNch nach Karlsruhe verbreitete und in deren Folge der Großherzog das Landverließ und das Regiment in die Hände der demokratischen und republikanischenKartei kam, da gewann die Revolution einen weiten Boden. Auch in derFrankfurter Nationalversammlung erlangte durch das Widerstreben der Re-gierungen, das Verfassungswerk anzuerkennen, die Linke immer mehrEinfluß,als von der konservativen und konstitutionellen Partei manche freiwillig aus-jäten, andere der Abberufung ihrer Regierungen Folge leisteten. In dieserschwierigen Lage wurde Deutschland durch die Tapferkeit des preußischen Heeresvor dem Umsturz gerettet. Preußische Truppen schlugen zuerst die vereinzeltenllufstände in Elberfeld, Düsseldorf u. a. O. nieder; preußische Truppenwgen auf den Ruf des sächsischen Königs nach Dresden und befreiten dieHauptstadt nach einem sechstägigen heftigen Barrikadenkampf aus den Händenoer dortigen provisorischen Regierung; preußische Linientruppen und Land-Wehrmänner rückten endlich in die bayerische Pfalz und in Baden ein, alsoer Großherzog sich nach Berlin um Hilfe wandte, und unterdrückten die Re- AUovlution in dem Augenblick, als sie auch das Königreich Württemberg zufassen drohte. Während dieser Vorgänge war die Frankfurter Nationalver-sammlung immer mehr ihrer konservativen Mitglieder verlustig gegangen, sodaß zuletzt die Männer der Linken allein darin geboten. Diese beschlossen, sichauf die Revolution zu stützen, und verlegten darum ihren Sitz von FrankfurtNach Stuttgart, um dem Herde der Bewegung näher zu sein. Kaum hundertMitglieder stark siedelte dasRumpfparlament" nach Württemberg über,bestellte eineReichsregentschaft" von fünf Räten und gab den revolutio-nären Erhebungen Nachdruck, bis der Minister Römer, ein Mann von fester ,Hand und hartem Kopf, ein Ziel setzte und sie zur Entfernung aus dem König- 151 »''°veich zwang. Um dieselbe Zeit durchzogen die Preußen, von den Reichstruppenunterstützt,' das Großherzogtum Baden,' schlugen die abgefallenen Soldaten undFreischaren, die dem Oberbefehl des polnischen Generals Mieroslawski un-tergeben waren, in verschiedenen Treffen und stellten die alte Ordnung wiederPer. Einige Förderer des Aufstanoes, darunter das ParlamentsmitgliedTrützschler, wurden infolge kriegsrichterlichen Spruchs erschossen, die eigent-«chen Urheber und Leiter retteten sich durch die Flucht auf republikanischenBoden, nach der Schweiz oder nach Amerika. Als der Aufstand noch unbe-Lwungen auf offenem Felde raste, erließ der König von Preußen eineVertrauenerweckende Ansprache an sein Volk, worin er das Verlangen nach deutscher Ein-heit durch die Gründung eines Bundesstaates mit Volksvertretung zu befrie-den versprach, und bald nachher erschien namens der drei Königreiche Preu-ßen, Hannover und Sachsen eine neue Reichsverfassung auf der Grundlagedfr Frankfurter Aufstellung. Der Beifall, womit diese dargebotene Gabe vonallen Gemäßigten ausgenommen wurde, für welche sich auch eine große Anzahlber Frankfurter Parlamentsglieder in einer zu Gotha abgehaltenen Versamm-tzUng(Nachparlament")a'ussprach, trug wesentlich zur schnellenBeruhigungber aufgeregten Länder bei. Es währte jedoch nicht lange, so traten Sachsenund Hannover von demDreikönigsbund" zurück, worauf Preußen, das seitber Beschwörung der neuen Verfassung vom 31. Januar 1850 in die ZahlAr konstitutionellen Monarchieen eingetreten ist, auf dem Erfurter ZärzReichstag die bei dem Bunde ausharrenden deutschen Staaten zu einerllnionZu vereinigen suchte. Allein auch dieser Plan stieß auf Widerspruch von sei-wri Österreichs und der übrigen Königreiche, welche um der preußischen UnionM Gegengewicht zu bilden, eineBundesplenarversammlung" nachFrankfurt a.M. einberiefen und alle deutschen Regierungen zur Beschickung der-