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Zeitalter der Revolutionen und Restaurationen. §. 576.
sich riß und die parlamentarische Opposition niederwarf. Verwegene und ehr-geizige Männer, wie der Kriegsminister St. Arnaud, wie Morny, der füreinen natürlichen Bruder Napoleons galt, wie der Polizeiminister Maupasu. a., waren ihm dabei behilflich. Die einflußreichsten Parlamentsglieder wur-den verhaftet und größtenteils aus dem Reiche verbannt. Dieser Gewaltstreichführte in Paris, Lyon und mehreren Städten des inneren Landes neue Auf-stände und Barrikadenkämpfe herbei. Aber in wenigen Tagen war die Erhe-bung durch das Militär unterdrückt, worauf die Urheber und Führer durchVerhaftung und Deportation unschädlich gemacht wurden. Bei einer von demPräsidenten angeordneten allgemeinen Volksabstimmung sprachen sich siebenMillionen zu gunsten der neuen Staatsordnung aus, die in allem der Napoleo-nischen Konsularverfassung nachgebildet war (Z. 501), und kraft deren LudwigNapoleon die Präsidentenwürde auf weitere zehn Jahre, jedoch in monarchi-scher Machtfülle, bekleiden, die legislative Gewalt aber aus einem Senat undeinem gesetzgebenden Körper bestehen sollte. Diese Einrichtung bildete in-dessen nur den Übergang zu der Erneuerung des Kaisertums', welches einJahr später, gleichfalls infolge einer allgemeinen Nationalabstimmung undeiner noch größern Majorität, ins Leben trat. Das französische Volk, durch dieunaufhörlichen Revolutionsstürme geistig gebrochen und körperlich geschwächt,fügte sich willig der Machtherrschaft des neuen Kaisers Napoleon III., der,gestützt auf Polizei und Militärgewalt, durch ein eisernes Regiment die Ord-nung und Ruhe aufrecht erhielt.