Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
429
JPEG-Download
 

429

Z- 576.

Die Pariser Februar-Revolution und ihre Folgen.

Truppen besetzt wurde. Ein regnerischer Spätherbst machte die Wege ungang-bar und nötigte die schleswig-hölsteinische Armee, unthätig hinter den Wällenvon Rendsburg zu verharren. Ein Sturm auf die stark befestigte Stadt Fried-^chftadt wurde von den Dänen gleichfalls zurückgeschlagen und verschlim-merte die Lage der Herzogtümer. Nun übertrug die Statthalterschaft den Ober-Mehl dem General v. d. Horst. Allein bereits waren die beiden deutschenGroßmächte übereingekommen, den Nationalkrieg im Norden zu beendigen undaaniit die Revolution in ihrem letzten Ringen zu erdrücken. Sie forderten imMinen des deutschen Bundes die Einstellung der Feindseligkeiten unter An-Mohung von Zwangsmaßregeln. Nach ernster Erwägung der Sachlage erklärteMe Landesversammlung ihre'Unterwerfung, worauf die Statthalter ihre WürdeNiederlegten und einer von Dänemark und den beiden deutschen GroßmächtenUMe,infam ernannten Regierung Platz machten. Nun wurde die schleswig-hol-Nnifche Armee aufgelöst, und während viele Offiziere und Soldaten ihr deut-Hes Herz über den Ozean trugen, um in Brasilien Sicherheit und Lebens-Merhalt zu suchen, zogen österreichische Truppen an die Gestade der Ostsee undMetzten das Land von Hamburg bis Rendsburg. Seitdem blieb SchleswigÜber ein Jahrzehnt der Rache der Dänen schutzlos preisgegeben.

§. 576. In Frankreich hatte die konstituierende Versammlung (8-565)Ms Mai1849 ihr Verfassungswerk beendigt. Eine demokratische RepublikDt allgemeinem Wahlrecht, mit religiöser und politischer Freiheit für jedenStaatsbürger, mit einer einzigen Kammer und einem alle vier Jahre neu zu"Elenden'verantwortlichen Präsidenten war die aus ihren Händen hervor-Vgangene Staatsform. In der legislativen Versammlung, die nun anMe Stelle trat, befanden sich viele Demokraten von sozialistischer Richtung,sich den alten Namender Berg" beilegten und den Grundsätzen derMten Republik" Geltung zu verschaffen bemüht waren. Als die französischeMPerung diesem Streben nach innen und außen mit Entschiedenheit entgegen-Mt, versuchte die Bergpartei in den Junitagen, als am Rhein, an der DonauTiber der Kriegslärm tobte, in Paris und Lyon neue Aufstände, dieschnell unterdrückt wurden und die Flucht der Führer (Ledru-Rol-M u. a.) sowie die Verurteilung der Beteiligten zu Haft und Deportation zurAllge hatten. Nunmehr gaben die Sozialisten die gewaltsamen Revolutions-Wne auf, suchten aber vermittelst des allgemeinen Stimmrechts bei neuenZahlen die Zahl ihrer Gesinnungsgenossen in der Versammlung zu mehren,M so allmählich die Oberhand zu erlangen. Um dies zu verhindern, hob dieNationalversammlung durch ein neues Wahlreformgesetz das allgemeineMnnnirccht auf und beschränkte zugleich die Presse. Durch diese und ähnlicheMaßregeln zog sich die Versammlung die Ungunst des Volkes zu, was der Prä-üoent Napoleon, der immer sichtbarer nach monarchischer Gewalt strebte undM dn Kammer längst zerfallen war, zu seinem Vorteil zu benutzen verstand.^ suchte sich der Armee und der Beamten zu versichern, gewann die Geistlich-st durch große Zugeständnisse und wußte die schlummernden Sympathieen desZolles für die Napoleonische Kaiserzeit zu wecken. Durch solche Mittel bahnte. ..llch den Weg zur Alleinherrschaft. Die Weigerung der gespaltenen und zer-MenenNationalversammlung, durch diebeantragte Verfassungsreform dieMiedererwählung des Präsidenten im Jahr 1852 möglich zu machen, beschleu-ste die Ausführung des lange gehegten Planes. Entschlossen, die errungeneGewalt nicht wieder aus den Händen zulassen, wagte es Ludwig Napoleon,dasErfahren seines Oheims am 18. Brumairei799(ß. 500) nachzuahmen, indem^ am 2. Dezember mittelst eines Staatsstreiches der Versammlung"tledigte, mit Hilfe des ihm ergebenen Heeres die Herrschaft eigenmächtig an

4. Okt.1850.

Janilar

I8ÜI.

1», Juni184».

31. Mak185V.

2. Dez.1851.