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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Neueste Geschichte. 8- 595-

Minister für das Auswärtige, sowie für Krieg, Marine und Finanzen auch inBetreff Holsteins nur dem Kömg verantwortlich seien. Nach dieser Anordnungdauerte also die königliche Machtvollkommenheit in allen wesentlichen Punktenfort, nur ohne die Vertretung der Holstein-Lauenburger Abgeordneten MReichsrate, der somit zu einemEiderparlament" umgeschaffen ward. Dauntwar die Einverleibung Schleswigs bis auf den Namen verwirklicht. Die hol-steinischen Stände verweigerten jedoch die Annahme dieses trügerischen Ab-kommens und legten einen Organisationsentwurf vor, in welchem die volleSelbständigkeit der einzelnen Länder der Monarchie die Grundlage bildete undauf das alte Recht der Verbindung von Schleswig-Holstein hingewiesen war-Davon wollte man aber in Kopenhagen nichts hören; Dänemark und Schles-wig zu einemEiderstaat" unter Einer Verfassung vereinigt, Holstein ihnenangeschlossen, aber nach dänischen Interessen regiert, das war das Ziel, nachdem die herrschende Partei strebte. Ein diplomatischer Notenkrieg, Jahre langfortgesetzt, brachte die Dänen nicht von ihrem Vorhaben ab; selbst ein vermit-telnder Vorschlag des englischen Ministers Russell fand keine Billigung. DasKopenhagener Kabinet setzte sür Holstein eine Provinzialregierung in Plön eMund erließ eine Bekanntmachung, durch welche die Vereinigung Schleswigs- mit Dänemark unter Einer Verfassung ausgesprochen und die Rechte der hol-steinischen Stände auf das geringste Maß herabgedrückt waren. Da beschloßendlich der Bundestag zur Ausführung der längst gedrohen Exekution zuschreiten.

H.595. Der Waffengang. Aber das Schicksal zerschnitt den ungerechtenPlan. Bevor noch die letzte Hand an das Werk gelegt werden konnte, ereilteden König plötzlich der Tod. Nun bestieg der durch den Londoner Vertrag zuinNachfolger bestimmte Prinz von Sonderburg-Glücksburg, von der deutschenOppositionderProtokollprinz" genannt, als König Christian IX. den Thronund vollzog, von den Kopenhagenern gedrängt, oas neue Verfassungsgesetz-Zugleich aber nahm der Erbprinz Friedrich von Augustenburg, auf den derVater sein Recht übertragen hatte, als Herzog Friedrich VÜI. durch eineProklamation vom 16. November Besitz von der Regierung der vereinigtenHerzogtümer Schleswig-Holstein und schickte sich an, sein Recht mit allen Mit-teln geltend zu machen. Das deutsche Volk, die Wichtigkeit des Augenblickeserkennend, unterstützte sein Vorhaben aus allen Kräften. In den Kammern,in Vereinen, in Volksversammlungen erging an alle die ernste Mahnung, da-hin zu wirken, daß dem Bruderstamm im Norden sein Recht werde, daß dieHerzogtümer unter ihrem angestammten Fürsten dem großen Vaterlande, deMsie durch Sprache und Abstammung angehörten, zurückgegeben würden. DasLiedSchleswig-Holstein meerumschlungen" wurde gleichsam zur National-hymne. In diesen Tagen der Aufregung waren aller Augen nach Frankfurtgerichtet. Man erwartete und wünschte, der Bundestag möchte die Herzog-tümer durch einenOkkupationsbeschluß" vorläufig in Besitz nehmen, aber erbeharrte bei der beschlossenen Exekution, die denn sofort auch zur Ausführungkam. Noch im Dezember rückten sächsische und hannöversche Bundestruppenüber die Elbe. um Holstein und Lauenburg zu besetzen. Die Dänen räumtenalles Land südwärts der Eider und des Eiderkanals, selbst die Festung Rends-burg. so daß mit Neujahr 1864 das ganze Herzogtum Holstein in den Händender Bundestruppen war und die Leiden Bundeskommissäre, welche dem Heereauf dem Fuße nachfolgten, einstweilen die Verwaltung übernähmen. Mit der»Einrücken der deutschen Mannschaft begannen die Kundgebungen des Landesfür Herzog Friedrich von Augustenburg. Am 27. Dezember wurde er von einergroßen Volksversammlung zu Elmshorn als Herzog ausgerufen. Ermutrgt