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Deutschland und die deutschen Großmächte.
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^rch diese Vorgänge, verließ derselbe plötzlich seinen bisherigen Aufenthaltsort^otha und reiste unerkannt nach Kiel, wo er am 30. Dezember unerwartetAntraf und mit großer Begeisterung empfangen ward. Doch enthielt er sichleder Regierungshandlung, jedes Emgriffs in den Geschäftskreis der Bundes-kouunissäre. Aber der schwierigere Teil der Aufgabe harrte noch der Lösung.Ao fügsam sich die Dänen in Holstein erwiesen, so trotzig beharrten sie auf dem"besitze von Schleswig. Im Vertrauen auf England, wo Regierung und VolkMstimmig für Dänemark Partei nahmen und Parlament und Presse sich inheftigen Ängriffen gegen die Deutschen ergingen, nahmen die Dänen eine zu-versichtliche Miene an. Konnte die kriegerische Haltung der beiden deutschenGroßmächte nicht ein Spiel sein und in gleicher Weise enden wie früher? Aberdie Dinge hatten einen andern Verlauf. Österreich und Preußen, die man jetztHM erstenmal wieder Hand in Hand gehen sah, verlangten dre Aufhebung derAveinberverfassung, und als Christian IX., der unter dem Druck der fana-rstchen Eiderdänenpartei stand, diesem Verlangen nicht entsprach, erklärten sie,daß sie den Londoner Traktat nicht länger als bindend ansehen könnten unddaß sie Schleswig besetzen würden, ohne sich weder durch den Protest des Bun-destages gegen das eigenmächtige Vorgehen, noch durch die Noten und Deduk-tionen des englischen Ministers abhalten zu lassen. Schon im Januar rücktedie vereinigte österreichisch-preußische Heeresmacht unter dem Oberbefehl desAchtzigjährigen Feldmarschalls v. Wrangel in Holstein ein. Das deutscheNolk sah dem kriegerischen Vorgehen der Großmächte mit geteilten GefühlenHil: Wenn man sich einerseits freute, daß endlich einmal das dürre Feld diplo-matischer Noten und Verhandlungen verlassen und zur Aktion geschritten ward,w konnte man sich doch des Argwohns nicht erwehren, das blutige WaffenspielMöchte nur dazu dienen, die Volksbewegungen und Agitationen niederzuschlagenund die Integrität der dänischen Monarchie oder doch eine PersonalunionAufrecht zu erhalten. Mein was auch immer die deutschen Großmächte imAnne haben mochten, der Gang der Kriegsereignisse führte zu großen Resultaten.Sw preußische Armee, unter der Führung des ruhmbegierigen PrinzenFriedrich Karl, brannte vor Verlangen, die Erinnerungen, welche der ersteWeswig-Holsteinische Feldzug zurückgelassen, auf dem zweiten auszulöschen; undAlk Österreicher unter dem Kommando des ritterlichen Generals v. d. Gablenzsollten hinter den Waffenbrüdern nicht zurückstehen. Als daher in den ersten^agen des Februar die Preußen über Kiel und Eckernförde nach MissundeDrückten und dann auf einer rasch geschlagenen Brücke über die Schlei setzten,"le Österreicher dagegen über Rendsburg nordwärts marschierten und nachMieren Gefechten sich dem Dannewerke näherten, das im Süden der StadtSchleswig sich von Westen nach Osten hinzog, fürchtete der dänische OberfeldherrAb Meza, daß er die weitgezogene Festungslinie nicht mit dem gehörigenNachdruck verteidigen könnte und von den Preußen im Rücken umgangen undAbgeschnitten werden möchte. Mit Beistimmung seines Kriegsrates faßte erAaher den Entschluß, in der Nacht vom 5. auf den 6. Februar Schleswig undvas Dannewerk aufzugeben und sich nach Alsen und in die Düppeler Schanzenzurückzuziehen. Schon am 6. Februar war die ganze Dannewerkstellung ge-Aaumt und Wrangel konnte sein Hauptquartier in Schleswig aufschlagen.Auch Flensburg ergab sich ohne Widerstand, als die Deutschen, welche den Ab-Mmden auf dem Fuße folgten, nach dem heftigen Gefechte der österreichischen-vorhut gegen den dänischen Nachzug bei dem Dorfe Oversee sich der Stadtwcherten. In Flensburg beschloß Wrangel zwei Operationen zu gleicher Zeit
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