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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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22. Fsbr.1865.

14. Aug.18VL.

Neueste Geschichte.

8- 596.

durch zweifelhaft geworden, daß mehrere andere Fürsten als Prätendenten auf-traten und dynastische Erbansprüche nachwiesen; so wurde durch die Erklärungder Kronjuristen in Berlin, daß nur Preußm und Österreich kraft des WienerFriedens ein gegründetes Anrecht auf die Herzogtümer hätten, den genealogr-schen Nachweisungen ein Gegengewicht geschaffen. Der Versuch des Minister-präsidenten, den Herzog Friedrich in den „Februarforderungen" zu einem Ab-kommen zu bringen, durch welches Preußen den Oberbefehl über die Land- urwSeemacht erhalten haben würde und die Herzogtümer in den innigsten Ver-band mit dem Königreich getreten wären, führte zu keinem Resultat. ^dauerte der provisorische Zustand samt der Augustenburger „Nebenregierungfort; und da die beiden Minister Bismarck in Berlin und Belcredi in Wiendie Hände frei haben wollten, um sich den inneren Angelegenheiten ihrerStaaten zu widmen und den Konflikt mit ihren Reichsständen zum Ausgleichzu bringen, so wurde die Gasteiner Konvention geschlossen. Darin kainman überein, daß die Herzogtümer noch ferner im gemeinschaftlichen Besitz derbeiden Eroberer bleiben sollten, und zwar in der Art, daß die Verwaltung undRegierung von Schleswig an Preußen, die von Holstein an Österreich über-lassen, das Herzogtum Lauenburg dagegen von dem Kaiser an den preußischeKönig um die Summe von 2Vs Millionen Reichsthaler abgetreten würde-Nach einer persönlichen Zusammenkunft beider Monarchen in Salzburg kainder Vertrag zur Ausführung. Dieses Abkommen fand wenig Beifall rn derdeutschen Nation; es trug die Keime neuer Verwickelungen in sich und schufeinen unhaltbaren Zustand. Aber wie sehr auch noch immer für die HerzEtümer „die schwarzen und die heitern Lose" im Schoße der Zukunft verhüll*lagen, eine große Errungenschaft hatte der Krieg und der Friede gebracht; derSchmerzensruf der deutschen Bevölkerung: „Los von Dänemark!" war erhör*worden. Nun galt für die deutsche Nation die Parole: „Wahre treu, wasschwer errungen!"

3. Die Gründung des Königreichs Italien.

§.596. Lage und Parteistellung. Zweimal hatte die sardinische Le-gierung vergebens versucht, Italiens Befreiung mit Waffengewalt zu erzwin-gen; durch Radetzkys Siege war die Machtstellung Österreichs in dem Apesstninenlande aufs neue befestigt worden und übte den alten Druck auf das poW-sche und geistige Leben der Nation. Nicht nur, daß das lombardisch-venetiamMKönigreich von einer..bedeutenden Militärmacht und gewaltigen Festungenniedergehalten wurde, Österreich war auch zugleich der Halt und Hort der reaktio-nären Partei im übrigen Italien und in den kleineren Staaten, mit denen esdurch Verträge oder verwandtschaftliche Bande verknüpft war. Im Vertrauenauf seinen Schutz errichteten die heimgekehrten Fürsten von Modena unParma ein Regiment der Rache und Verfolgung gegen alle Anhänger einefreien Staatslebens. Durch österreichischen Einfluß wurde in Toskana o*Verfassung beseitigt; im Vertrauen aus Österreich und nach dem Vorbild desselvehielt König Ferdinand II. von Neapel und Sicilien mit einer großen, durwfremde Söldner verstärkten Truppenmacht sein Volk in niedriger KnechtsMund trieb den Steuerdruck und die Staatslasten auf eine unerschwinguwHöhe. Den Papst schützte Österreich durch Besetzung des nördlichen Testdes Kirchenstaats (der Legationen) und gewann den Klerus durch ein günstig,Konkordat. Diese Machtstellung des Kaiserreichs zu brechen, war das erfuglBestreben der sardinischen Regierung unter Viktor Emanuel, einem KoEder mit militärischem Sinn und festem Mut ein Herz für vaterländische ^teressen und nationale Ehre verband und sich von den Ratschlägen sein