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Die außereuropäischen Staaten. Nordamerika.
in den Weg legen. Gerade darum mußte diese um so entschiedener auftreten.
Eine energische Proklamation des Königs vom 8. August warnte alle Italiener,sich an den Handlungen strafbaren Ungestüms und unbesonnener AgitationenZU beteiligen. Garibaldi ließ sich indessen von seinem Vorhaben nicht ab-bringen. Als die Besatzung von Messina ihm den Weg verlegte, Log er nachCatania ab, wo er sich mit etwa 2000 Freiwilligen einschiffte, um ,',in Romals Sieger einzuziehen, oder unter seinen Mauern zu sterben". In fieberhafterAufregung bückte Italien, ja ganz Europa nach dem Süden, wo der volks-tümliche Held die so oft betretene Kriegslaufbahn von neuem begann. Am24. August landete er zu Melito und rückte sofort in die calabrischen Berge.
Aber sein Lauf war bald zu Ende. General Cialdini schickte eine Abteilungdes Hauptheeres unter dem Oberst Pallavicino gegen die Freischaren aus. BeiAspromonte kam es zu einem Zusammenstoß. Ein unbewachter Schußführte ein kurzes Gefecht herbei, in welchem einige Freiwillige fielen, Garibaldiselbst verwundet und mit den Seinen gefangen wurde. Ein Regierungsdampferbrachte ihn nach Varignano, im Golf von Spezzia, wo er sich einer langenund schmerzvollen Operation unterziehen mußte. Während der langsamen undschweren Heilung hatte er wenigstens den erhebenden Trost, daß ganz EuropaMit der innigsten Teilnahme auf den unglücklichen Verwundeten blickte unddaß alles freudig aufatmete, als die Kunde sich verbreitete, daß die Todesgefahrbeseitigt sei und er wieder frei nach seiner Felseninsel zurückkehrte. Von derZeit an hatte das Staatsleben in seinem inneren Entwickelungsgang eine län-gere Ruhe vor kriegerischen Zwischenfällen. Am 15. Sept. 1864 kam zwischen issi.Frankreich und Italien ein Vertrag zustande, welcher die Verlegung der Resi-denz von Turin nach Florenz und die allmähliche Entfernung der französischenBesatzung aus Rom festsetzte. Infolge dieses Vertrags wurde im Laufe desJahres 1865, nachdem sich in Turin' die Mißstimmung der Einwohnerschaftin drohenden Demonstrationen und Aufständen Lust gemacht, die Übersiedelungdes Hofes und der Regierungsgewalten nach der schönen Hauptstadt am Arnobewerkstelligt. Obgleich man in Rom über die französisch-italienische Überein-kunft heftig zürnte uno der Papst um Weibnachten in einer merkwürdigenEncyklika die politischen und religiösen Anschauungen der Zeit verdammte;die Geschicke Italiens gingen ihrer Erfüllung entgegen. Sobald die päpstlicheRegierung durch Anwerbung fremder Söldner zur Erhaltung der inneren Ruhesich eine eigene Kriegsmannschaft zu schaffen begonnen, wurden auch Einlei-tungen zum Abzug der französischen Besatzungstruppen aus Rom getroffen.
Und bald sollten unerwartete Ereignisse auch den Anschluß von Venetien her-beiführen (§. 608).
4. Die Vereinsstaaten Nordamerikas und Mexiko.
Z. 603. Die Parteistellung. Schon lange hatte eine einschneidendeRivalität zwischen den Nord- und Südstaaten der amerikanischen Union inden Gemütern Wurzel gefaßt, eine Rivalität, welche, auf der Verschiedenheitder Interessen, der Anschauungen, der Lebensgestaltungen beruhend, schließlichM der Sklavenfrageihren Mittel- und Ausgangspunkt fand. über ein halbesJahrhundert waren die Männer des Südens der herrschende Teil; im Besitzetveiter Ländereien mit Zuckerplantagen, mit Reis- und Maisfluren, mit aus-gedehnten Tabak- und Baumwollfeldern, die sie durch Sklaven bebauen ließen,lebten sie in großem Wohlstände und waren dadurch in die Lage gesetzt, sichfeinere Bildung anzueignen; die meisten Staatsmänner, die in der Heimatdurch Geist und Verstand, im Auslande durch elegante Formen, durch gesell-schaftliche Gewandtheit glänzten, gingen aus den Reihen der südstaatlichen