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25. April.
7. Mai.
478 Neueste Geschichte. 8- 606.
suchte sich das Wiener Kabinett des Beistandes der deutschen Bundesregierungenzu versichern, während Preußen mit Italien eine geheime Allianz aufrichteteund Graf Bismarck offen erklärte, daß der deutsche Bund in seiner dermaligenVerfassung keine Sicherheit für die Zukunft der Nation gewähre und daßPreußen in die Notwendigkeit gesetzt sei, eine den realen Verhältnissen Rech-nung tragende Reform des Bundes in Anregung zu bringen. Weder die Vor-stellungen einiger deutschen Regierungen gegen den drohenden Bruderkrieg,noch die aufgeregten Friedensagitationen, die allenthalben zutage traten, ver-mochten den Gang der Dinge aufzuhalten: zwar wurde in Berlin und Wien.ein Tag bestimmt, an welchem auf beiden Seiten Abrüstungen vorgenommenwerden sollten; aber ehe der Termin eintrat, erklärte Österreich , daß es nurgegen Preußen abrüsten, gegen Italien aber sein Heer verstärken und auf denKriegsfuß setzen werde. Dieser Umschlag erregte in Berlin Bedenken; fühltesich Preußen bedroht, so war es einerlei, auf welcher Seite der Kaiserstaat dieTruppenverstärkung vornahm. Die Rüstungen dauerten daher auch in Preußenfort und nahmen größere Ausdehnung an. Zugleich wurde in Italien drekriegspflichtige Mannschaft unter die Waffen gerufen; der freisinnige undpatriotische Ricasöli trat an die Spitze des Ministeriums, und der Kriegs-minister Lamarmöra übernahm den Oberbefehl über die Armee am Mincio.Den Vorschlag des Wiener Kabinetts, die endgültige Entscheidung dem Bundes-tag anheimzugeben und die holsteinischen Stände einzuberufen, lehnte die preu-ßische Regierung ab. Alles deutete auf einen nahen Ausbruch des Kriegs; einefurchtbare Aufregung ergriff das deutsche Volk; Graf Bismarck war der Gegen-stand des bittersten Hasses; nur wie durch ein Wunder entging er dem Mord-anfall eines jungen Mannes (Karl Cohn), der nach dem Fehlschlagen seinesUnternehmens sich im Gefängnis den Tod gab. Man ahnte noch nicht, daßdie nationale Wiedergeburt aus diesem Kampf hervorgehen werde. Noch ein-mal leuchtete ein Schimmer von Hoffnung auf Erhaltung des Friedens, alsdie neutralen Großmächte einen Kongreß zur Ausgleichung der Streitfragenin Deutschland und Italien in Vorschlag brachten: doch auch diese Hoffnungsollte bald zerrinnen. Österreich wollte nur unter der Beschränkung beitreten,daß keiner der teilnehmenden Staaten eine Gebietserweiterung oder einenMachtzuwachs erlange.
ß. 606. Die Parteistellung und der Krieg in Norddeutschland-Anfangs Juni brachte die österreichische Regierung, ohne Rücksicht auf die Pro-testation Preußens, die schleswig-holsteinische Angelegenheit vor den deutschenBund und erteilte dem General Gablenz Befehl, die Stände Holsteins nachJtzehoe einzuberufen. Dieses Vorgehen erklärte die preußische Regierung ftsteinen Bruch der Gasteiner Übereinkunft und rief die gesamten Heerkräfte, Linstund Landwehr, unter die Waffen. Gleiches geschah auch in Österreich; aber dieMißstände und Mängel der Heerverwaltung, die schon im italienischen Kriegso schlimme Folgen gehabt, traten auch diesmal wieder zutage. Der wirklicheArmeebestand entsprach keineswegs den in den Militärlisten verzeichneten An-gaben, und über die Verpflegungsanstalten wurden bittere Klagen laut. D,onun nach preußischer Auffassung der Gasteiner Vertrag hinfällig war, foulstin den Herzogtümern wieder der frühere Zustand des „Kondominats" eintrat,so erhielt von Manteuffel Befehl, seine Truppen von Schleswig nach HolstclNvorrücken zu lassen. Dadurch sah sich Gablenz mit seiner geringen Ästsatzungsmannschaft zum Abzug genötigt. In diesem Vorgehen erblickte dieösterreichische Regierung eine Verletzung der Verträge und stellte den Antragauf schleunige Mobilmachung des ganzen Bundesheeres, mit Ausnahme detpreußischen Armeecorps. Gegen die bisherige Ordnung trat die Bundesver-