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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Neueste Geschichte.

Z. 607'

um sich mit den Bayern Lei Koburg zu vereinigen. Denn auch die Staaten imSüden des Mains nebst Nassau und Sachsen hatten ihre Truppen unter dieWaffen gerufen und ins Feld rücken lassen. Da aber die Linie von Eisenachbis Erfurt von preußischen und sachsen-gothaischen Truppen besetzt war, welcheden Hannoveranern den Weg verlegten; so wurden unter dem Schutze einesO'Juni^' mehrtägigen Waffenstillstandes Unterhandlungen zum Zweck einer Kapitulationi8«s. eingeleitet. Als man sich über die Bedingungen nicht einigen konnte, versuchtendieHannoveraner unter dem Oberfeldherrn Ärentschildt sich durchzuschlagen.Die preußische Vorhut derFalckenstein-Manteuffelschen Armee wollte sie daranL?, Jum. verhindern, erlitt aber in der Schlacht vonLangensalza im ungleichen Kämpfteine Niederlage. Von beiden Seiten wurde mit der größten Tapferkeit gestrittenund edles deutsches Blut fruchtlos vergossen. Denn zwei Tage nachher mußtendieHannoveraner, von den Preußen umstellt und von den'Bayern verlassen,es. Juni. dennoch in eine Kapitulation willigen, kraft deren die Armee ausgelöst und dasLand von preußischen Truppen besetzt ward. König Georg nahm seinen Auftenthalt in Hietzing bei Wien. Während dieser Vorgänge am Thüringerwaldund an der Fulda war das Königreich Sachsen bereits im Besitze der Preußen.Gleich nach der Kriegserklärung hatte das sächsische Heer das Königreich ge-räumt, um sich, begleitet von dem König, dem Kronprinzen und dem Ministerv. Beust, m Böhmen mit den Österreichern zu vereinigen. Nur auf derFestung Königstein wehte noch die sächsische Fahne. Ohne Widerstand zogGeneral Herwarth v. Bittenfeld in Dresden ein.

Z. 607. Der Krieg in Böhmen und am Main. Der Besitz von Sach-sen gewährte den Preußen den Vorteil, daß damit ein konzentrisches Vorbrechender drei Armeeen durch die Grenzpässe und eine rasche Vereinigung aller Heer-körper in Böhmen ermöglicht war. Dieser Kriegsplan wurde mit wunderbarerSchnelligkeit und Präcision ins Werk gesetzt. Ehe Benedek, der seine Streit-macht im weiten Bogen von Prag bis an die Grenze von Schlesien aufgestellthatte, mit der Hauptarmee auf die festen Punkte Josefstadt und Königgrätzgestützt, seinen beabsichtigten Öperationsplan, gen Norden durch Sachsen nachdem Herzen des Preußischen Staates vorzudringen, vollführen konnte, rücktendie Preußen mit drei Heerkörpern in Böhmen ein. In der letzten Woche desJuni zogen unter steten Gefechten mit österreichisch-sächsischen Trnppenabtei-lungen Herwarth über Rumburg und Hün er Wasser, Prinz Friedrich Karlüber Reichenberg und Podol auf Münchengrätz und Gitschin los, währendvon Schlesien aus die Armee des Kronprinzen durch die schwierigen Pässe desRiesengebirges westwärts ihnen entgegenrückte. Nach den heißen Kämpfen, dieGeneral Steinmetz Lei Nachod und Skalitz und eine andere Abteilung unterBonin bei Trautenau zu bestehen hatten, eroberten sie die tapfer verteidigteW. Sun,.Stadt Königinhof und näherten sich den befreundeten Kriegsgenossen. Inden ersten Tagen des Juli, nachdem König Wilhelm selbst, begleitet von denMinistern v.'Roon und Graf Bismarck und dem Leiter des Generalstabesv. Moltke, sich auf dem Kriegsschauplatze eingefunden und den Oberbefehlübernommen hatte, kamen sich die Heerkräste der beiden kriegführenden Mächteso nahe, daß ein Hauptschlag erfolgen mußte. Er ließ nicht lange auf sich war-ten. Am dritten Juli erfolgte die Entscheidungsschlacht bei Königgrätzoder Sadvwa, wo das preußische Heer unter den Augen des Königs, nacheinem furchtbaren Kampfe gegen die vorteilhaft aufgestellte österreichische Ar-tillerie, durch das rechtzeitige Eingreifen der schlesischen Armee des Kronprinzeneinen glänzenden Sieg erfocht. Gegen Abend bewerkstelligten die Trümmerdes geschlagenen Heeres ihren Rückzug nach Pardubitz. Ganz Europa war MitBewunderung erfüllt über einen Feldzug, auf welchem durch die Genialität

3. JuliI8«6.