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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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4. Julii8«a.

8- 608. Die geschichtlichen Begebenheiten der Jahre 18661870.

der Entwürfe., durch die Schnellkraft und Präcision der Ausführung und durchdie taktische Übung desVolkes in Waffen" in wenigen Tagen so merkwürdigeErfolge erzielt wurden.Der Tag von Königgrätz," ließ sich der königlicheHeerführer in seinem Tabesbefehl vernehmen,hat schwere Opfer gekostet, ober-er ist ein Ehrentag für die ganze Armee, auf welche das Vaterland mit StolzUnd Bewunderung blickt." Um dieselbe Zeit rückte Vogel v. Falckenstein,

Welcher nach den' Vorgängen bei Langensalza die Truppenteile der GeneraleManteuffel, Goeben, Beyer zu einer Mainarmee vereinigt hatte, gegen dasBundesheer, das, in zwei Heerkörper geschieden, unter dem Oberbefehl des be-ehrten Prinzen Karl von Bayern und des Prinzen Alexander von Hes-sen aufgestellt war, jener im nördlichen Franken zwischen Rhön und Thüringer-Urald, dieser in der Wetterau nordwärts von Frankfurt. Falckenstein faßte nunden Plan, sich zwischen die beiden Armeeen in der Art einzuschieben, daß sie sichZu keiner gemeinsamen Aktion vereinigen könnten- Der Plan gelang. Nachdem blutigen, wenngleich unentschiedenen Gefecht bei Dermbäch gaben dieBayern den Gedanken einer Verbindung mit dem andern Armeekorps auf undzogen sich südwärts in das Maingebiet, begleitet von den Preußen, welcheWeiter westlich durch das Fuldathal auf Hanau losrückten. Hier wandte sichFalckenstein von neuem gegen die Bayern und zwang sie, nach den scharfen Ge-suchten bei Kissingen und Hammelburg, wo der wackere bayerische General r». 8»«.d. Zoller seinen Tod fand, zum Rückzug nach Schweinsurt und Würzburg.Falckenstein folgte ihnen nicht nach, sondern kehrte sich gegen das andere Ar-meekorps, das unter Alexander von Hellen mainabwärts stand, um die freieStadt Frankfurt zu schützen. Als aber die Preußen nach dem scharfen Treffen is. i4.oei Laufach die Stadt Aschaffenburg im blutigen Straßenkampf erstürm-«n, zog der Bundesfeldherr mit seiner Armee südwärts nach dem Odenwald,worauf der preußische General ohne Widerstand in Frankfurt einrückte, das Lun.Man alsoffene Stadt" erklärt hatte. Die noch anwesenden Bundestagsge-Mndten waren den Bundestruppen gefolgt und nahmen ihren Sitz in Augs-burg. Frankfurt wurde mit schwerer Kriegskontribution und Einquartierungbelastet und durch nachträgliche Forderungen und Drohungen so beunruhigt,baß der achtungswürdige Bürgermeister Fellner, um nicht Lei ungesetzlichenoder gehässigen Maßregeln mitwirken zu müssen, sich selbst das Leben nahm.

Bald nachher wurde Falckenstein abberufen und zum Gouverneur von Böhmenernannt; an seiner Stelle übernahm General von Manteuffel den Oberbefehlaber die Mainarmee.

Z. 608. Ausgang des Krieges und Friedensschlüsse. Nach derSchlacht von Königgrätz stand den Preußen der Weg in das Herz des Kaiser-Itaates offen. Die Nordarmee war zersprengt; Benedek hatte sich mit denKümmern nach Olmütz und Brünn zurückgezogen; in Wien herrschte die größteBestürzung. Da faßte Kaiser Franz Joseph einen überraschenden Entschluß.

HN Italien hatte die Südarmee unter Erzherzog Albrecht aus der blutgetränk-M Walstatt von Custozza über das Heer Lamarmoras, das gleichzeitig mit^- Juni.Mn Preußischen Bewegungen in das Festungsviereck eingerückt war, einen glän-zenden Sieg erfochten und den Feind zum Rückzug über den Mincio genötigt.

Anstatt aber diesen Vorteil auszubeuten, beschloß nunmehr der österreichischeKaiser, Venetien an Napoleon abzutreten, um die Südarmee gegen Preußenverwenden zu können und Frankreichs Bundesgenoffenschaft zu gewinnen. Na-poleon nahm das unerwartete Geschenk an, erklärte aber, daß er in der Ab-holung Venetiens die Aufforderung erblicke, zwischen den kriegführenden Mäch-en einen Frieden zu vermitteln. Er suchte zunächst einen Waffenstillstand her-beizuführen; aber König Wilhelm erklärte, daß er nur unter sichern Friedens-

2°ber, «. Weltgeschichts.

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