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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Neueste Geschichte.

Z. 608.

28. Juli18KS.

garantiern, auf bestimmte Grundlagen hin, mit Österreich einen Waffenstill-stand eingehen könne, und auch bei Viktor Emanuel fand der Vorschlag wenigGunst. Es widerstrebte dem italienischen Ehrgefühl, nach einer Niederlage dasvenetianifche Land als Gnadengeschenk hinzunehmen. Auch war man Vertrags-weise verbunden, nur im Verein mit Preußen einen Waffenstillstand und Friedenabzuschließen. Doch hatte die vermittelnde Thätigkeit des französischen Kaisersdie Wirkung, daß in Italien sich der Krieg auf einige Streifzüge der Frei-willigen unter.Garibaldi und auf neue Rüstungen beschränkte, daß zwischenPreußen und Österreich Friedensunterhandlungen eingeleitet wurden, ohne daßjedoch der Waffengang eine Unterbrechung erlitt. Vergebens rief der österrei-chische Kaiser den Erzherzog Albrecht mit einem Teil der Südarmee herbei undübertrug ihm das Öberkommando an Benedeks Stelle; das rasche Anrückender Preußen über Brünn nach der Donaulinie machte die Vereinigung einergrößeren Heeresmacht zum Schutze der Hauptstadt unausführbar. So mußteman sich denn in Wien zu dem von Frankreich vermittelten NikolsburgerWaffenstillstand verstehen, wodurch Österreich aus dem deutschen Staats-verband ausschied, den Mitbesitz in den Elbherzogtümern aufgab und einwil-ligte, daß das abgetretene Venetien von Napoleon dem Königreich Italien über-lassen werde. Schon war eine preußische Heerabteilung im Begriff, sich derwichtigen Stadt Preßburg zu bemächtigen, als sie mitten im Siegeslauf ge-23. Aug. hemmt wurde. Auf diesen Grundlagen wurde vier Wochen später der PrägerFrieden abgeschlossen, worin Österreich außer einer Kriegskostenentschädigüngnoch die Verpflichtung einging, das Bundesverhältnis, welches Preußen nörd-lich von der Linie des Mams begründen werde, nebst den beabsichtigten Terri-torial eränderungen anzuerkennen, wogegen Preußen versprach, das KönigreichSachsen in seinem dermaligen Umfang bestehen zu lassen. Da der Nikols-burger Waffenstillstand nicht auf die übrigen Bundesstaaten ausgedehnt ward,so hatte der Krieg im Main- und Taubergebiet seinen Fortgang, als die Waffenin Böhmen und Mähren bereits ruhten. Aber wenn schon vorher die Bunoes-truppen keine Lorbeeren geerntet hatten, wie sollten sie jetzt, da die Mainarmeedurch Mecklenburger, Öldenburger und andere nördliche Verbündete verstärktworden war, da die Siege in Böhmen das ganze Heer mit Stolz und Zu-versicht erfüllten und zur Nacheiserung anfeuerten, auf Erfolge rechnen können?W b's26.Was es, daß die badischen Truppen bei Hundheim und Werbach,die württembergifchen bei Tauberbischofsheim, die Bayern bei Gerchs-heim und Roßbrunn ihren alten Kriegsmut im ehrenvollen Kampf bewähr-ten ; für den Ausgang des Krieges waren die blutigen Opfer, die der militäri-schen Ehre gebracht wurden, ohne Frucht. Am Ende des ereignisvollen Juli-monats zogen die Preußen in Würzburg ein und drangen bis Nürnberg vor.b>s 22. Nun schloffen auch die süddeutschen Regierungen Waffenstillstände als Einlei-tung zu Friedensunterhandlungen, träten den Nikolsburger Bestimmungenbei und zahlten die geforderten Kriegskosten. Zugleich einigten sie sich insge-heim mit Preußen über ein Schutz- und Trutzbünönis für den Fall eines aus-wärtigen Krieges und erneuerten den Zollverein. Am längsten verzögerte sichder Frieden mit Hessen-Darmstadt und mit Sachsen, welche beide Länder,von ihren Fürsten verlassen, von den Preußen besetzt waren. Nur ungern3 . -Zept. willigte der Großherzog in die Friedensbedingungen, kraft deren er Hessen-Homburg abtreten und zugeben mußte, daß die Provinz Oberhessen dem nord-deutschen Bund beigefügt und die bisherige Bundesfestung Mainz ausschließ-lich von Preußischen Truppen besetzt wurde. Noch länger hatte das KönigreichSachsen die schwere Last der preußischen Okkupation zu ertragen. Erst alsHerr v. Beust in Gnaden seines hohen Amtes enthoben worden (wofür ihn