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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Z. 633 s.

Geschichtliche Rundschau.

Die Kenntnis von Afrika war durch das ganze Mittelalter und bis in die neuere Zeiteine recht dürftige. Das heiße fieberbringende Klima, die Armut an schiffbarenFlüssen, die geringe Gliederung der Küste, die wüste Beschaffenheit so vieler Land-schaften, die Wildheit der Bewohner erschwerten von jeher das Eindringen. Wohlstanden Ägypten und die mohammedanischen Reiche an der Nordküste stets in viel-fachem Verkehr mit Europa, wohl wurde seit den großen Entdeckung^ und Seefahrer-zeiten der ganze Kontinent umschifft; vor allen die Portugiesen, dann auch Venetianerund Genuesen, Holländer und Engländer fuhren die Küste entlang, aber tiefer in dasgeheimnisvolle Innere drang Jahrhunderte hindurch keines Europäers Fuß. Höch-stens das Hinterland von Ägypten, der Sudan, die Landschaften zwischen dem mittel-ländischen Meer und der Wüste Sahara, oder die Umgebung des Kaplandes wurdenbisweilen von einer Handelsexpedition besucht. Im 17. Jahrhundert begann dieGründung europäischer Kolonieen an der West- und Ostküste, am Senegal ließen sichdie Franzosen, in Mozambique die Portugiesen, an andern Küsten die Holländer undEngländer nieder. Auch der große Kurfürst von Brandenburg hatte in den siebzigerJahren des 17. Jahrhunderts in Westafrika, an der Goldküste und im KönigreichÄrguin nördlich vom Senegal, eine Schutzherrschaft gegründet, Jahrhunderte langder einzige deutsche Kolonialversuch. Die brandenburgischen Kolonieen stellten auchgute Erfolge in Aussicht, aber dem damaligen kleinen, armen, in so viele Kriege ver-wickelten, der Seeküste und Flotte fast ganz entbehrenden Staate fehlte es doch anKraft, den fernen Besitz gegenüber den Anfeindungen anderer Nationen, namentlichder Holländer, festzuhalten. Bei all diesen Unternehmungen an der Küste blieb dochdas Herz des Festlandes ein ganz unbekanntes Gebiet. Wenn Elfenbein- oderSklavenhändler einmal ins Innere vordrangm, so hatte davon die wissenschaftlicheKenntnis keinen Vorteil. Einen mächtigen Anstoß empfing die Forschung durch dier?8S. Grün dung der afrikanischen Gesellschaft in London; seit der Zeit wurde sieplanmäßig, mit wissenschaftlichen Zielen und stets steigendem Erfolg betrieben. Ähn-liche Gesellschaften in andern Hauptstädten folgten. Hunderte von begeisterten For-schern sind seitdem in den dunkeln Erdteil gewandert und gar viele sind unter demtödlichen Klima oder dem Meuchelmord der Eingeborenen erlegen. Sie fanden einzahlreiches, auch einer gewissen naturwüchsigen Kultur nicht ganz entbehrendes Volk;aber wo nicht die Araber von den Küsten aus den Islam und einige Gesittung ein-geführt hattm, herrschte finsterer Götzendienst, häufig mit blutigen Menschenopfernverbunden, grausame Sklaverei und wilde Unsitte, nicht selten sogar Kannibalismus.Durch die Greuel seiner barbarischen Opfer hat sich namentlich das Negerreich Daho-meh an der Guineaküste berüchtigt gemacht. Manche Gegenden waren von hoherFruchtbarkeit, reich an köstlichen Produkten des Südens und edlen Metallen, dannaber fanden sich auch wieder undurchdringliche Wildnisse, Wüsten und Sümpfe. —^ 1806 . Unter den älterm Afrikaforschern ist der Name des Schotten Mungo Park einer derf Äs bekanntesten. Später haben die Reisen von Heinrich B arth aus Hamburg und EduardVogel aus Leipzig unsere Kenntnisse über die geheimnisvollen Landschaftendes innerni ' Afrika bereichert. Vogel war lange Jahre verschollen, bis in der Folge bekannt wurde,daß er in der Hauptstadt von Wadai ermordet worden. Gleichzeitig begann in denfünfziger Jahrm der schottische Missionar David Livingstone, der bedeutendste181S-7S. Forscher der neueren Zeit, seine erfolgreichen Reisen. Er starb auf dem Schauplatzseiner Forschungen am Fieber, nachdem er jahrelang in Europa verschollen gewesen.Henry Stanley, ein junger Amerikaner von seltener Energie und Kühnheit, fandden längst Totgeglaubtm tief im Innern Afrikas auf und unternahm dann einePogg- Reihe bedeutsamer Expeditionen zur Erforschung des Kongo, des MittelafrikanischenRiesenstroms, der fast den ganzm Kontinent durchkreuzt. Unter den deutschen Afnka-fiM«. forschem neuester Zeit haben sich besonders Pogge, Wißmann, Flegel, Rohlfsund der früh am Tropenfieber gestorbene Nächtig«! hervorgethan. Em.in Pascha