Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
525
JPEG-Download
 

8- 633

e.

Die neueren geographischen Entdeckungen rc.

525

(Eduard Schnitzer aus Schlesien) hat die ägyptische Äquatorialprovinz, zu derenGouverneur er eingesetzt wurde, nebst den benachbarten unbekannten Ländern seit demJahr 1876 in zahlreichen Zügen durchwandert, wurde aber seit 1883 durch die Kriegeund Aufstände im Innern des Kontinents von allem Verkehr mitEuropa abgeschnitten.

Es wurden verschiedene Expeditionm ausgesandt, um den Eingeschlossenen zu ent-setzen und zu befreien; namentlich zog im Jahr 1887 Stanley zu diesem Zweck aus;von seinen Schicksalen aber ist seitdem keine sichere Kunde nach Europa gedrungen.

Das Problem der Erforschung der Nilquellen, mit dessen Lösung sich schon dasAltertum beschäftigt hatte, wurde durch die Reisen der Engländer Speke, Grantund Baker in den fünfziger und sechziger Jahren aufgeklärt, der Ursprung der Strom-quellen in großen Seeen jenseits des Äquators, die von den schneebedeckten Bergender Ostküste gespeist werden, nachgewiesen. — Die/Küsten Afrikas sind jetzt zumgrößten Teil Kolonieen oder Schutzherrschaften der europäischen Mächte, und dasHerz von Centralafrika, die unermeßlichen Strecken zu beiden Seiten des Kongo bildeneine eigenartige neue Schöpfung, den Kongostaat unter der Oberhoheit des KönigsLeopold von Belgien. Eine afrikanische Konferenz der Mächte in Berlin setzte die iWt'Äs*Neutralität und Abgrenzung des Landes, die Errichtung eines weiten Freihandels-gebiets, die freie Schiffahrt aus dem Kongo und Niger, die Unterdrückung des Skla-venhandels fest. — Die Deutschen, die im Altertum und Mittelalter das erste Kolo-nialvolk der Welt gewesen und alle Länder und Küsten mit dem Überschuß ihrerVolkskraft besiedelt hatten, waren in neueren Zeiten, als die übrigen Nationen sichin fernen überseeischen Gebieten Herrschaften gründeten und Märkte für ihren Handeleröffneten, zurückgeblieben. Die nationale Ohnmacht und Zerrissenheit stand einergroßartigen, unternehmenden, ins Weite gerichteten Politik entgegen, und währendandere Völker die Welt verteilten und die reichsten, für den Handelsverkehr günstigstenLänder in Besitz nahmen, ging Deutschland leer aus. Jetzt, als das deutsche Volkseine nationale Wiedergeburt erlangt und sich zu einer Weltmacht ersten Ranges auf-geschwungen hatte, deren Flagge durch eine gewaltige Kriegsflotte an die fernstenKüsten getragen wurde, beanspruchte es auch seinen Anteil an der überseeischen Welt.

Freilich die besten Länder waren vergeben. Den Strom der deutschen Auswanderungnach Niederlassungen auf dem eigenen überseeischen Boden des Reichs zu lmken, wirdin größerem Umfang nicht mehr möglich sein, wegen der klimatischen Beschaffenheitder in Betracht kommenden Länder. Aber weite, herrenlose, von rohen wenig civi-lisierten Völkerschaften bewohnte und fast »»ausgenutzte Gebiete, die für den Handel,den Anbau überseeischer Produkte, die Gewinnung an edlen Metallen die besten Aus-sichten eröffnen, waren noch genug vorhanden, und es war ein Glück, daß der natio-nale Aufschwung Deutschlands in eine Zeit fiel, da eine mächtige Bewegung nachErforschung der noch unbekannten Teile der Erde, nach Eröffnung bis dahin abge-schlossener Länder, nach Schaffung neuer Bahnen für den Weltverkehr die Gemüterdurchzog. Da konnte Deutschland nicht zurückbleiben; es mußte rasch und thatkräftignachholen, was infrüheren Jahrhunderten versäumtworden, so viel sich noch nachholenließ. Und diese Ausgabe hat das deutsche Volk mit Eifer erfaßt. Seit dem Jahre1884 trat Deutschland in die Reihe der Kolonialmächte ein und wußte sich in demneueröffneten afrikanischen Kontinent bald einen umfangreichen Besitz zu sichern(Togoland und Kamerun, Lüderitzland und Angra Pequena, die Besitzungen derdeutsch-ostafrikanischen Gesellschaft, das gewaltige Hinterland von Zanzibar bis zu dengroßen Binnenseeen, das Witu-Gebiet). In den deutschen Kolonieen entwickelten sichbald die Anfänge staatlicher Ordnung und eines gesicherten Rechtsschutzes, doch fehltees auch nicht an Kämpfen mit den schwarzen Eingeborenen und den um ihre Handels-interesien und den Fortbestand ihrer Sklavenjagden besorgten Arahern, namentlich indem ostafrikanischen Schutzland, wo ein Aufstand der arabischen Sklavenhändler die less.Entsendung eines Reichskommissars in der Person des Hauptmanns Wissmann und FAmardie Ausstellung einer eingebornen Kolonialtruppe auf Reichskosten nötig machte.