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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Geschichtliche Rundschau.

ö42 o.

April1880.Gesetz v.6. April1885.

S. Sept.1881.

Juni

1882.

Oktober

187S.

15. Sept.1884.

K. No».I87S.

7. Febr.1878.

13. Juli1877.

Gesetze v.14. Juli188U,31. Mai1882,21. MaiI8SS.

durch dieKolonialfrage eröffnet wurde, fand im Reichstag viel Widerspruch. Einerster in derSamoavorlage" genommener Anlauf scheiterte an den Bedenken desReichstags; auch ein Gesetz über staatliche Subvention von Dampferlinienhatte mancherlei Widerstand zu überwinden, ehe es zustande kam. Indessen brach sich,wie wir gesehen haben (Z. 633 o), die Kolonialbewegung doch mächtig Bahn. DenFrieden zu erhalten, wenigstens soweit Deutschland dabei in Betracht kommt, warauch in jenen Jahren der Reichskanzler mit glücklichem Erfolg bestrebt. Und es warnicht immer leicht; denn oft genug zogm drohende Wolken am politischen Himmelauf. Nicht nur, daß die Männer derRevanche" in Frankreich jede Gelegenheit er-griffen, ihrem Hasse Luft zu machen, und unablässig nach einer günstigen Konstellationgegen das deutsche Reich ausspähten, auch die Freundschaft zu Rußland war nach demtragischen Untergang Alexanders H. wiederholt gefährdet und erschüttert, unter demEinflüsse der mächtigen panslavistischen Bewegung, als deren Gönner in den hohenRegierungs- und Militärkreisen der alte Kanzler Gortschakow, der verschlagene, intri-gante Graf Jgnatiew und der rohe, heißblütige General Skobelew auftraten, dessenhetzende kriegsdrohende Ansprache in Paris zu Anfang des Jahres 1882 gewaltigesAufsehen erregte. Die Bildung eines russisch-französischen Angriffsbundes mußte alseine der ernstesten Gefahren für den europäischen Frieden betrachtet werden. Indessengelang es noch immer, einer Störung des Einvernehmens zwischen Rußland undDeutschland vorzubeugen, und die Zusammenkunft zwischen den beiden Kaisern undihren ersten Staatsmännern in Danzig, die Ersetzung Gortschakows durch dendeutsch-freundlicheren und besonneneren Herrn von Giers in der Leitung der aus-wärtigen Angelegenheiten, die Entlassung des Grafen Jgnatiew konnten als wertvolleFriedensbürgschaften betrachtet werden. Ein festes Bollwerk gegen die Gefährdungdes Weltfriedens bildete andauernd das gute Verhältnis zwischen Deutschland undÖsterreich, das in einer förmlichen Verteidigungsallianz einen innigen Ausdruck fand.Das Bündnis war einer der wenigen festen Punkte und Halte in den Wirren derZeit und wurde auch nicht gefährdet, als an Stelle Andrassys Herr von Haymerleund dann Graf Kalnokydie Leitung der auswärtigen Politik in Österreich übernahmen.Eine weitere Ausbildung zu einem Dreibund erhielt dieser Vertrag durch den Beitritt vonItalien. Das alte Einvernehmen der drei Ostmächte in den großen Fragen der Welt-politik fand noch einmal einen feierlichen Ausdruck in einer Zusammenkunft der dreiKaiser und ihrer leitenden Staatsmänner, welche in dem russisch-polnischen StädtchenSkierniewicze stattfand.

Z. 642o. Revision der preußischen Kirchengesetze. Polengesetze. Dergreise Papst Pius IX. hatte sich von seiner jesuitischen Umgebung immer mehr in denleidenschaftlichen Kampf gegen den Zeitgeist hineintreiben lassen, war immer feind-seliger gegen die Forderungm des modernen Staatslebens und insbesondere gegen daspreußisch-deutsche Reich aufgetreten. Nach dem Tode des langjährigen Kardinal-Staatssekretärs Antonelli wurde die Jesuitenpartei noch mächtiger. Dessen Nach-folger, Kardinal Simeoni, bisher Nuntius in Madrid, war ein entschiedenes Mit-glied der Gesellschaft Jesu. Eine versöhnlichere Stimmung zog erst im Vatikan ein,als Pius ins Grab sank und Kardinal Pecci als Leo XIII. den päpstlichen Stuhlbestieg, ein weltkundiger Prälat von milderem und geschmeidigerem Charakter. Kurzzuvor hatte die ultramontane Partei Deutschlands einen unersetzlichen Verlust durchden Tod des Bischofs Ketteler von Mainz erlitten. Nachdem der KultusministerFalk seinen Abschied genommen, verspürte man bald die rückläufige Strömung in derKirchen- und Schulpolitik. Die Schulreformen wurden gehemmt, die Errichtung vonSimultanschulen erschwert, die Reorganisation des Volksschulwesens zum Stillstandverurteilt, der Falksche Unterrichtsgesetzentwurf zurückgeschoben. Zugleich wurde dieRevision der neuen kirchenpolitischen Gesetzgebung begonnen. Die Anwen-dung einer Reihe von Artikeln der Maigesetze wurde in dasdiskretionäre" Ermessen