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Geschichtliche Rundschau. §. 647 b-
Gefangenen in ein Fort der Kapstadt führte und die Beruhigung des Landes durch^ Suni Verträge ermöglichte. In diesem Kriege fand der junge Prinz Napoleon, dersich als Freiwilliger angeschlossen, bei einer Ausspähung einen frühen Tod.—In weit-reichende Verwicklungen wurde die englische Regierung auch in Ägypten verflochten-Tolle Verschwendung und empörende Mißwirtschaft hatten den Khedive (Vicekönig)JsmailPascha in immer ärgere finanzielle Zerrüttung und Not gebracht. Ur"den Verlegenheiten abzuhelfen, verkaufte er seinen Besitz an Suezkanalaktien an diebritische Regierung und ließ sich eine englisch-französische Kontrolle der Finanzver-waltung gefallen. Allein die Abhängigkeit von den europäischen Mächten, die sich indie ganze Verwaltung einmischten, ertrug sowohl der Khedive als das ägyptische Volkmit Unwillen. Der Versuch, sich durch einen Soldatenaufstand und Staatsstreich der jAwi ftemden Einmischung zu entledigen, führte zur Absetzung Ismails, worauf sei"schwacher Sohn TewfikPascha die Regierung übernahm. Allein die nationalePartei mit dem Streben nach voller Unabhängigkeit Ägyptens von dem europäische"Einfluß erhob immer gefahrdrohender ihr Haupt. An ihrer Spitze stand der OberstArabi Pascha, der durch eine Soldatenrevolte vom Khedive Entlassung des Mi-nisteriums und eine Verfassung mit einer parlamentarischen Notabelnversammlungerzwäng und als Kriegsminister in die Regierung eintrat. Bald darauf brach derE* nationale Fanatismus inAlexandrien in einem Aufstand aus, in welchem derenglische Konsul verwundet und viele Europäer ermordet wurden. Da beschösse"englische Kriegsschiffe die Stadt, worauf Arabi die Truppen ins Innere, nach Kairo,zurückzog. Die halbeingeäscherte Hauptstadt besetzten die Engländer. Jetzt wurdeArabi von den, Khedive abgesetzt, allein an der Spitze des Heeres war er vorerst Herrdes Landes. Und er hätte sich lange haltm und den Engländern einen schwerenStand bereiten können, wenn er und seine Truppen nicht eine Unfähigkeit, Feigheitund Kopflosigkeit bewiesen hätten, welche alle Erwartungen übertraf. Bei Tel-el-^iWL°^'K e b ir wurde das ägyptische Heer von dem englischen Feldherrn Wolseley aufs Hauplgeschlagen, der ägyptische „Nationalheld" selbst gab sich gefangen und wurde nachCeylon in die Verbannung geschickt. Seitdem war England bemüht, das Land in ei"immer festeres Klientelverhältnis zu bringen. Allein es hatte dabei mit außerordent-lichen Schwierigkeiten zu kämpfen und namentlich die Beruhigung der nubischen Land-schaften, wo der Mahdi, der „falscheProphet" dieFahneder Empörung aufpflanzte,
^ wollte lange nicht gelingen. Der englische General Gordon wurde in ChartM"
^I88s" eingeschlossen und fand dort den Tod. — Die Kolonialpolitik ist überhaupt dasEhrenfeld Englands. Welche Parteien am Ruder des Staats sein mögen, in de"auswärtigen Besitzungen, insbesondere in dem angloindischen Reiche herrscht stetsderselbe umsichtige Verstand, dieselbe praktische Erfahrung in der Verwaltung und imganzen öffentlichen Lebm. Die merkwürdige Reise, welche der Prinz von Wales nachIndien unternahm, um das weite Reich im Osten durch eigene Anschauung kennen z"lernen, stärkte die Bande zwischen dem Mutterlande und den Kolonieen. Nach seinerins. Rückkehr wurde durch ein Reichsgesetz der englischen Königskrone der Kaisertitel vo"Indien beigefügt, ein dem britischen Stolze bereiteter Triumph, der dem Minister-präsidenten Disraeliden Titel Lord Beaconssield einbrachte. In den Jahren 187°und 1879 war das indische Grenzland Afghanistan mit den großen Handelsstädte"Kabul und Kandahar der Schauplatz blutiger Kämpfe, innerer Wirren und Aufstände,wobei die russische Eroberungspolitik ihre Hände im Spiel hatte. Doch blieb schlißlich England nach einem beschwerdevollen Feldzug die beherrschende Vormacht. Auchdas große hinterindische Land Birma, wo der blutdürstige wahnwitzige König1885. Thibau herrschte, wurde nach einem kurzen Feldzug dem britischen Reich einverlcftt-8- 647d. Innere Politik in neuester Zeit. Trotz der auswärtigen Erfolgswar die öffentliche Meinung in England der ausgreifenden, kostspieligen Kriegspolitikdes Torykabinetts abgeneigt. Eine scharfe Opposition trat im Parlament und in de"