647. Der Gang des geschichtlichen Lebens seit dem Frankfurter Frieden. 557
?u Felde zog, haben den Beweis geliefert, daß er nicht, wie seine Gegner behauptethatten, den ultramontanen Anschauungen zuneige: die scharfen Angriffe gegen diePapisten haben in den römisch-katholischen Kreisen viel Staub aufgeworfen und eineMenge Gegenschriften hervorgerufen. Das Ministerium Disraeli-Derby nahm deninneren Parteien gegenüber eine zurückhaltende Stellung und wandte dagegen derauswärtigen Polikik wieder mehr Aufmerksamkeit zu, als feit Jahren in England ge-schehen war.
ß. 647. Die Engländer in Afrika und ihre Kolonialpolitik. In seinerMarine und in seinem Kolonialwesen hielt England fest an der überlieferten Politik,
°urch die es sich zu dem größten und mächtigsten See- und Handelsvolk emporge-schwungen hat. Wie früher in Abessinien (Z. 578), so hat es im Jahr 1873 an derWestküste Afrikas sein oberherrliches Ansehen gegen das eingeborene Volk der Ash anti?uit den Waffen geltend gemacht und aufs neue gefestigt. Jenes reiche Küstenland,
°as sich im Norden des Golfs von Guinea bis nach Sierra Leone hinzieht und dessenMittelpunkt die Goldküste bildet, war schon seit dm Entdeckungsfahrten der Portu-Twsen der Schauplatz einer regsamen Handelsthätigkeit: verschiedene Völker haben zuAem Ende daselbst Niederlassungen gegründet und ihre Faktoreien durch Forts undBesatzungen in der Nähe des Meeres geschützt, so die Portugiesen, Holländer, Dänenund Engländer. Die angrenzenden Negerstämme, unter denen die wilden, kriegerischenAsh anti mit dem Hauptort und Königssitz Kumasi die erste Stelle einnahmen, standenw einem Vasallen- oder Schutzverhältnis zu den Europäem. Im Laufe der JahreFewannen die Engländer die größte Macht auf der Goldküste, gerieten aber mit denAshanti in einen gefährlichen Krieg, der die ganze Herrschaft Großbritanniens inWestafrika bedrohte. Aber auf die Dauer warm die Wilden der überlegenen Kriegs-kunst Englands doch nicht gewachsen. Als General Wolseley mit beträchtlichenStreitkräften und trefflichem Geschütz nach dem Kriegsschauplatz abging, sahen sichfUe Ashanti bald in einer Reihe von Gefechten überwunden und, durch Krankheit,Mimme Witterung und Mangel an Vorräten sehr geschwächt, zur Räumung dessirotektoratsgebietes und endlich zum Rückzug nach Kumasi genötigt. Diese Stadt?u erobern, den König im Herzen seines Landes und Volkes anzugreifen, war nunder Kriegsplan des englischen Oberbefehlshabers, der auch zu Anfang des neuen JE«Wahres zur Ausführung kam. Wie viele Schwierigkeiten immer die von Wald undGebüsch durchzogene Landschaft darbot, der Marsch wurde untemommen und mit Hilfeder als Lastträger verwendeten Fanti glücklich beendigt. In den ersten Tagen desFebruar näherte sich Wolseley der durch die Flucht der Einwohner verödeten Haupt-stadt Kumasi, die, zum Teil von den Entflohenen selbst in Brand gesetzt, in kurzemkin Raub der Flammen ward. Auch der König hatte sich geflüchtet; er erkannte je-doch die Unmöglichkeit einer Fortsetzung des Krieges, da alle Nachbarstämme aufSeiten der Europäer standen. Daher schloß er einen Friedensvertrag ab, worin erEen Ansprüchen auf das britische Protektoratsgebiet entsagte und sich zur Zahlungvon 50 000 Unzen Goldes als Kriegsentschädigung anheischig machte. Auch brachtendie Engländer den Häuptling zu dem Versprechen, dem greuelvollen Gebrauch derMenschenopfer, deren Spuren und Denkmäler die Einziehenden mit Entsetzen erfüllthatten, nach Kräften Einhalt zu thun. Ein glänzender Empfang bei der RückkehrNach England bezeugte dem Gouverneur und seinen Truppen den Dank und die An-erkennung der Nation. Einige Jahre später segelte derselbe General Garnet Wolseleyabermals nachdem südlichen Afrika, um die Zulu-Kaffern, die unter ihremAlgerischen und grausamen Könige Cetewayo bei der Einfügung des Transvaal-Freistaats in das englische Kolonialgebiet wegen Grenzstreitigkeiten mit den Englän-dern in Krieg geraten waren, zu einem friedlichen Verhalten und in ein Vasallitäts-verhältnis zu zwingm. Trotz des tapfern Widerstandes des wilden Königs und seinerstreitbaren Stämme erlitten die Zulus schließlich eine Niederlage, die Cetewayo als