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Geschichtliche Rundschau.
warm, nahm der Krieg eine günstigere Wmdung. Die Hauptstadt und die Küsten-städte gerieten in die Hände der Sieger. Die Ausdehnung der holländischen Ober-herrschaft über die ganze Insel Sumatra war damit als gesichert anzusehm. — DasLe°p«id' poetische Leben Belgiens unter dem wohlwollenden aufgeklärten Leopold II. istn. durch einm überaus heftigen Kampf zwischen Liberalen und Ultramontanen gekenn-se, i8ss. ^jHnet, der sich namentlich auf die Schulfragen erstreckte. Wechselnde Ministerienführten die Regierung bald im liberalen, bald im klerikalen Sinne. Auch wiederholteArbeiteraufstände in den großm Mittelpunkten der Industrie setzten das Land in Un-ruhe und Aufregung. — Die skandinavischen Reiche führten in neuester Zeit ein vomStrom der Weltereignisse wenig berührtes, im Innern aber lebhaft bewegtes Dasein.
Dänemark erblicken wir unter der Herrschaft Christians IX. wechselndeChristian konservative Regierungen in einem fast ununterbrochenen Streit mit der liberalensei/isss. Mehrheit des Abgeordnetenhauses (Folkething) über Fragen der Militärreform unddes Budgetrechts, einem Verfassungskonflikt, der sich in wiederholten Kammerauf-Schweden.lösungen, Ministerwechseln und Budgetverweigerungen äußerte. — In Schweden,sett 1872. wo im Jahre 1872 auf König Karl XV. sein Bruder Oskar II. folgte, ein hoch-gebildeter, wissenschaftlich und dichterisch schöpferischer, für Deutschland freundschaft-lich gesinnter Fürst, drehte sich das politisch-parlamentarische Leben vornehmlich umFragen der Reorganisation des Heeres und der Marine, sowie der Steuerreform. Dasabgeschlossene See- und Gebirgsland Norwegen, das in Personalunion mit derKrone Schweden vereinigt ist, aber fast völlige Selbständigkeit in Gesetzgebung undVerwaltung genießt, bewahrte seinen uraltm Gegensatz gegen Schweden und seinenzum Republikanismus neigendm Sinn für Unabhängigkeit auch in neuerer Zeit.
4. Frankreich.
8- 649. Thiers und die Parteistellung. Die französische Nationalver-sammlung in Versailles, die den bejahrten, aber immer noch geistig regsamen Thiersan die Spitze der Regierung gestellt (8- 622), bot auch nach der Bewältigung derKommune (8- 623) ein Bild der Ratlosigkeit und Zerfahrenheit dar, in welche dasReich durch den Krieg und die Katastrophe von Sedan gestürzt worden: die republi-kanische Regierungsform, zu der man in der Not gegriffen, erfreute sich keineswegsder Neigung und Ergebenheit der ganzen Versammlung oder des Gesamtvolkes; viel-mehr hatten alle Systeme, die seit einem Jahrhundert in Frankreich herrschend ge-wesen , ihre Anhänger und Vertreter: Legitimisten, Bonapartisten, Orleanisten undRepublikaner verschiedener Färbung. Man stellte sich auf dm Boden der Republik,weil, wie Thiers meinte, diese Regierungsform die Franzosen am wenigsten trenne.Allein diese Republik des Herrn Thiers wurde von den Monarchisten wie von denJakobinem auf der Linken nur als ein Provisorium betrachtet, aus dem man zu ver-gangenen Zuständen zurückzukehren strebte, sei es zu dem bourbonischen Royalismus,in absoluter oder konstitutioneller Form, sei es zu dem napoleonischen Empire mitseinen „Legenden" von Kriegsruhm, sei es endlich zum Konvent von 1793 und denPrinzipien von Freiheit, Gleichheit und Demokratismus. Wenn diese innere Zer-rissenheit im Anfang noch nicht in so grellen Schlaglichtern hervortrat wie in derFolge; wenn sich die Nationalversammlung noch mit einiger Übereinstimmung anThiers und sein republikanisches Ministerium anschloß, so geschah dies nur im Be-wußtsein der Unmöglichkeit, für den Augenblick eine andere Ordnung aufzurichten,eine andere Persönlichkeit für die schwierige Lage zu finden: noch standen die deutschenHeere auf französischem Boden, bis die Kriegskosten abgetragen sein würden, und dasgewandte Haupt der vollziehenden Gewalt besaß Mäßigung genug, die Volksleiden-schaften zu beschwichtigen, dm Deutschenhaß, der sich auf der Straße und im Gerichts-saal so frech hervorwagte, einzudämmen, dm Ruf nach einem Rachekrieg nicht zu lautwerden zu lassen. Die Parteistellung im Innern war aufgelöst und zersetzt, eine Stö-