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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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565
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Z. 653.654. Der Gangdes geschichtlichen Lebens seit dem Frankfurter Frieden. 565

wöhnt, der Zeit und ihren treibenden Jdeeen entfremdet und ohne den brennendenEhrgeiz für Herrschaft, war Graf Chambord weder geeignet noch gewillt, die dornen-pplle Mission zu übernehmen,'das französische Staatsschiff durch die von allen Seitensich emportüxmenden Stürme zu führen.

8 . 653. Mac Mahons Septennat und Marschall Bazaine. Wie sehrimmer die Ultramontanen und Legitimisten aller Orten trauem mochten, daß dieÄra der katholischen Reaktion, die sie so nahe geglaubt, wieder in eine dunkle Fernegerückt war; in Frankreich überzeugte man sich, daß Chambord nicht der Fahnenträger-sein könne; daß man für den Augenblick die ror>alistischen Restaurationsgedanken auf-geben und mit den republikanischen Formen und Gewalten sortregieren müsse.Mochten auch immer noch im stillen die Royalisten ihrer alten Liebe treu bleiben unddem Grafen von Chambord ihre Huldigungm darbringen; für jetzt vereinigten sichdie Monarchisten und Konservativen zu einem Entschluß, welcher vor einer Rückkehrder Thiersschen Republik bewahren und zugleich die Möglichkeit einer künftigen Re-stauration offen lassen sollte: die Nationalversammlung übertrug dem Marschall MacMahon die Würde eines Präsidenten der Republik auf die Dauer von sieben Jahren.

Bei seiner bisherigen Haltung zu den monarchischen Restaurationsplänen glaubtenBroglie und Genossen, daß die Errichtung eines „Septennats" bei künftigen Wen-dungen kein unübersteigliches Hindernis sein würde. Um dieselbe Zeit, da Marschall 'Mac Mahon auf die höchste Staffel der Ehre erhoben wurde, stand sein früherer Ge-nosse, Marschall Bazaine, in einem andem Raum des Versailler Schlosses, imTrianon vor dem Kriegsgericht, damit durch ein Sensationsstück, bei dem das ganzeVolk Partei nahm, der Beweis erbracht werde, daß die große Nation nur durch denVerrat des napoleonischen Feldherrn besiegt worden sei. Über zwei Monate dauertedas kriegsgerichtliche Schauspiel unter dem Vorsitz des Herzogs von Aumale. Ob-wohl kein überführender Beweis eines Verrats erbracht werden konnte, fand ihn dasKriegsgericht dennoch schuldig und verurteilte ihn zum Tode und Verlust der militä-rischen Ehren. Allein als ob die Richter selbst sich in ihrem Gewissen über das Urteilbeklemmt fühlten, unterzeichneten sie zugleich ein Begnadigungsgesuch an den Präsi-denten der Republik. Daraufhin verwandelte Mac Mahon die Todesstrafe in einezwanzigjährige Haft und bestimmte als Einschließungsort das Fort auf der InselSamte Marguerite gegenüber von Cannes. Bazaines reiche mexikanische Gemahlinerhielt die Erlaubnis, nebst ihrer Familie und Dienerschaft gemeinschaftlich mit ihmein Pavillon der Seefeste zu bewohnm. Dies gab ihr Gelegenheit, in Verbindungmit ihrem Bruder im nächsten Jahre die Befreiung des Gemahls zu bewirken. Durcheine abenteuerliche Flucht mittels eines Strickes auf ein genuesisches Schiff sich ret-tend entkam Bazaine nach dem Ausland. Im Jahr 1888 ist er in Madrid in ärm-lichen Verhältnissen gestorben.

8 - 654. Übergang zur neuen republikanischen Verfassung. DieWahrnehmung, daß einerseits der Republikanismus, andererseits der Bonapartismusimmer mehr im Wachsen sei, ließ es dem Ministerium Broglie ratsam erscheinen,mit der Verfassung eine Abänderung vorzunehmen, damit der Marschall-Präsidentmehr leisten könne, „als bloß den Schild über Versailles und die Nationalversamm-lung zu halten und auf die moralische Ordnung zu dringen". Aber sein Gesetzes-entwurf zur Errichtung eines „hohen Rates" oder Smats, der die Absicht zu haben Mt.schien, den Orleanisten den Weg zur Macht zu bahnen, fand keine Gnade in denAugen der Versammlung; Broglie sah sich zum Rücktritt genötigt, worauf das Ka-binett Cissey-Decazes die Geschäfte übernahm. Von der Zeit an faßte man ernsterals zuvor den Plan ins Auge, den provisorischen Zustand zu beendigen, aus demInterim zu einer festeren Ordnung überzugehen. Und nun begann in Versailleswieder ein reges Parteispiel, besonders als der klerikal gesinnte Büffet, bisher 137 ^Präsident der Nationalversammlung, die Leitung des Ministeriums übernahm. Das