568
Geschichtliche Rundschau.
§. 655 b.
S, Text.187?-
14. 28.Oktober1877.
14. Dez.1877.
Sommer
1878.
II. Okt.1878.
80. Jan.1879.
scheidung gestellt, ob in Zukunft die liberale und demokratische Republik oder diemonarchisch-klerikale Reaktion herrschen solle. Auf beiden Seiten machte man diegrößten Anstrengungen, die öffentliche Meinung zu gewinnen. Die Bewegung der Ge-müter wurde noch vermehrt, als Adolf Thiers nach kürzer Krankheit in St. Germainvom Tode hingerafft wurde. Seine letzte Schrift war eine Rechtfertigung der Re-publik und eine Zurückweisung der Vorwürfe, womit die Konservativen die Liberalenbelasteten. Trotz aller Anstrengungen und Wahlbeeinfluffungen von feiten der Re-gierung und der Geistlichkeit kam die rückläufige Bewegung doch nicht zum Siege.Wurde auch in den Oktoberwahlen nicht die volle Zahl vpL^ös Republikanern wiederin die Versammlung gesandt, sondern nur etwa 320, so besaßen sie doch eine erheb-liche Majorität über die Konservativen, die „Kandidaten des, Nuntius", wie manspottweise die antirepublikanischen Fraktionen dex_Klerikalen, Royalisten und Im-perialisten bezeichnete. Nun erfolgte eine Periode der Krisis. Die Deputiertenkammerwar entschlossen, daraus zu bestehen, daß der Marschall - Präsident entweder demGrundsätze parlamentarischer Regierung sich unterwerfe oder seiner Stelle entsage.Da gab endlich, als es in der Handels- und Finanzwelt unmhig zu werden anfing,der Marschall-Präsident den zur Versöhnung ratenden Stimmen Gehör und entschloßsich zu einem parlamentarischen Regimente. Er ernannte ein Ministerium, in welchemunter dem Vorsitze Dufaures lauter republikanisch gefilmte Männer die Staats-geschäfte leiten sollten. So Marcöre das Innere, Waddington die auswärtigenAngelegenheiten, Leon Say die Finanzen, Bardoux den Unterricht. Eine Botschaftdes Präsidenten kündigte den beiden gesetzgebenden Faktoren in Versailles an, daß dieRegierung die republikanischen Einrichtungen, zu deren Gunsten sich die Mehrheit desVolkes durch die Wahlen ausgesprochen, aufrichtig beobachten werde. Die GambettascheParole war somit anerkannt, die größte und gefährlichste Krisis, die das republikanischeFrankreich durchgemacht, beschworen. Die Bewilligung des Budgets nebst den Steuer-vorlagen besiegelte die Versöhnung zwischen Regierung und Gesetzgebung. Die Be-seitigung einer großbn Anzahl von Präfekten und anderen Beamten klerikaler undreaktionärer Richtung war der Ansang de.r.neuen republikanischen Ära, die währenddes ganzen folgenden Jahres keine Störung erlitt. Das ganze Jahr hindurch hieltsich das gemäßigte, bürgerlich-republikanische Regiment deLMinisteriums Dufauream Ruder und das französische Volk fand Zeit zur Abhaltung einer.Weltausstellung.Zugleich wurden in Versailles Bürgschaftsgesetze erlassen, wodurch die Rückkehr einesWillkürregiments, wie es unter dem Ministerium Broglie bestanden, für die Zukunftverhindert werden sollte. Um den Einfluß der Klerika len zurückzudrängen, die durchden Tod des Bischofs Dupanloup einen ihrer gewandtesten und beredtesten Führerverloren, fuhr man fort, die Gemeindeschulen mehr und mehr den Geistlichen zu ent-ziehen und sie Lehrern aus dem Laienstande zu übertragen. Dem Marschall-Präsi-denten Mac Mahon ging dieses demokratisch-republikanische Regierungssystem gegenden Sinn. Er wartete daher das Ende seines Septennats nicht ab. Als man dieReinigung der Staatsämter auch auf die höheren Kommandos im Heere ausdehnenwollte, weigerte sich der Herzog von Magenta in eine Maßregel zu willigen, die ihnvon vielen seiner Waffenbrüder getrennt haben würde und seiner Ansicht nach dieInteressen der Armee verletzte. Er legte daher die Stelle einxs Präsidenten der Re-publik nieder And zog sich in ländliche Ruhe zurück, den Ruf eines loyalen Soldatenwahrend. Darauf versammelte sich der Kongreß der beiden Kammern, dem ver-fassungsmäßig die Wahl des Staatsoberhauptes zusteht. Von 670 Stimmen erhieltder bisherige Präsident des Abgeordnetenhauses, Jules Grövy7^63. Damit gingdie höchste Würde der französischen Republik von einem Militär auf einen Rechts-gelehrten über. An seiner Stelle wurde Gambetta zum Präsidenten der Kammer ge-wählt. Auch der greife Dufaure trat aus dem Ministerium und räumte den Platzseinem Kollegen Waddington.