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24. Ang.1572
der Pariser, die sich damals durch ihren katholischenFanatismus auszeichneten, und drang auf ihren Sohn solange ein, bis er nach langem Seelenkampfe die Zustim-mung zur Niedermetzelung seiner neuen Freunde gab. Inder Nacht vor dem Bartholomäus tage 1572 wurdendie Vorbereitungen getroffen. Keiner von den Tausenden,die ins Vertrauen gezogen werden mußten, verriet denahnungslosen Hugenotten, was ihnen bevorstand. NachMitternacht ertönten die Sturmglocken, und die Mörder,die als Erkennungszeichen eine weiße Binde um den Armund ein weißes Kreuz am Hute trugen, stürzten sich aufihre Schlachtopfer. Eine bewaffnete Bande drang in dasHaus Colignys. „Bist du der Admiral?“ schrie ihm einerzu. „Ich bin es“, erwiderte Coligny ruhig. „Du solltest,junger Mann, mehr Achtung vor meinem grauen Hauptehaben“! Dann stachen ihn die Wütenden nieder und war-fen den Sterbenden zum Fenster hinunter auf die Straße.Unterdessen hatte das Würgen in der ganzen Stadt be-gonnen. Zahlreiche Hugenotten, die das Getöse auf dieStraßen scheuchte, wurden dort erdolcht oder durchSchüsse getötet, andere wurden in den Häusern aufge-sucht und niedergemacht. Weder Frauen noch Kinderfanden Schonung. Selbst das königliche Schloß wurdeder Schauplatz blutiger Greuelszenen. Heinrich von Na-varra, der Schwager des Königs, wurde unter der Bedin-gung, daß er zur katholischen Kirche zurückkehre, ver-schont; aber das Blut seiner Edelleute bespritzte seinLager. Um das Maß ihrer Verruchtheit voll zu machen,durchwanderte Katharina am Tage mit ihren Hofdamendie Straßen und weidete sich am Anblick der Leichen.Mehrere Tage dauerte das Morden und wiederholte sichauf die Befehle des Königs im ganzen Reiche. Nach dengeringsten Angaben betrug die Zahl der Opfer in Paris2000, im ganzen Lande 30,000. Wie ein Donnerschlag wider-hallte die Nachricht von der „Bartholomäusnacht“ inEuropa. Während selbst Katholiken die gräßliche Tatmißbilligten, veranstaltete Papst Gregor XIII. zu Ehren