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Alte Geschichte, Orientalische Völker.
Die durch die Griechen (bes. Ktesias, vgl. Diodor II, 23 f.)auf uns gekommene Tradition von dem „weibischen Sardanapal“,seinem dennoch tapfern Widerstande und seiner Selbstverbrennungist das Gegenbild der sagenhaften Erzählungen von dem „Mann-weibe Semiramis“.
vor Chr.
605—561. Nebukadnezar (Nabu-Tcudur-ussar), Sohn desNabopolassar. Blüte Babyloniens.
Nebukadnezar schlägt (noch während der Regierung seinesVaters) 605 bei Karchemis am Euphrat den Necho , König vonÄgypten (s. S. 6), erobert Syrien, zerstört Jerusalem (586, s. S.9) und unterwirft Insel-Tyrus (s. S. 17).
Vergröfserung und Verschönerung Babylons (auf dem Ostuferdes Euphrat), Bau einer Brücke über den Euphrat, eines neuenPalastes mit den hängenden Gärten (s. S. 11). Bau der MedisehenMauer vom Euphrat zum Tigris. Grofsartige Wasserbauten; dasBassin bei Sippara (Sepharvaim). Nach Nebukadnezar rascherVerfall der Dynastie; Ende derselben 555.
538. Babylon (letzter König Nabonetus od. Nabunahid,sein Thronerbe Bil-sar-ussur, der biblische Bel-sazar) von Cyrus eingenommen, Babylonien per-sische Provinz.
§ 4. PHÖNIZIER UND KARTHAGER.
Phönizien (T’oiyixrj) ist der griechische (von dem Volksnamendpolvitj abgeleitete) Name Kanaans (s. S. 6). Die Phönizier oderKanaaniter sind, wie die Hebräer, Semiten. Im engeren Sinneversteht man unter Phönizien den schmalen (2—3 Meilen breiten,an 50 Meilen langen) Küstenstrich, welcher nördl. und nordwestl.vom Lande der Philister und Hebräer, westl. vom Gebirge Libanonliegt. Derselbe war bewohnt von drei Stämmen, welche früh-zeitig Städte gründeten: Aradus (Arvad), Byblus, Berytus, Sidon,Tyrus (Zor). Sidon seit etwa 1500 v. Chr. die bedeutendste Stadt.
Religion der Phönizier. Dem Gott Baal {Bel der Babylonier)und der Göttin Aschera (Baaltis, Belit der Babylonier), den Gott-heiten des Lebens, der Geburt und der wohlthätigen Naturkraft,standen als finstere und verderbliche Mächte gegenüber: der GottMoloch (d. h König, Adar der Babylonier), das verzehrende undvernichtende, aber auch reinigende Feuer, zugleich Gott desKrieges, und die jungfräuliche Göttin Astarte. Beiden wurdenMenschenopfer gebracht. Weiterhin werden Baal und Molochzu einem göttlichen Wesen vereinigt, welches unter dem NamenMelkart (d. h. Stadt-König) der besondere Schutzgott von Tyrusist. Ebenso werden Aschera und Astarte zu einer Gottheit ver-schmolzen, die als finstere, wandernde, mit dem wechselnden