Russisch-türkischer Krieg. 395
kungen vor Plewna. Nach dem Misslingen eines neuen Gewalt-angriffs (7. bis 12. Sept.) wird zur regelmäfsigen Belagerung(Gen. Totleben) geschritten und
10. Dez. Plewna genommen. Osman Pascha mufs sich nach einemvergeblichen Durchbruchsversuch mit 44000 Mannergehen. Rückkehr der Rumänen in ihr Land, des KaisersAlexander II. nach Petersburg. Serbien erklärt von neuem denKrieg an die Pforte.
Die russischen Heere rücken vom Balkan aus vor bis nahean Konstantinopel.
Auf dem asiatischen Kriegsschauplatz dringen die Russennach der Erstürmung von Kars (8. Nov.) siegreich nach Erzerum vor.
Die Türkei ruft die Vermittelung Englands an, sieht sichaber durch die Bedrohung von Konstantinopel genötigt, sich mitRufsland zu verständigen.
1878. Friede zu San Stefano (unweit Konstantinopel):
3. März. 1) Montenegro und Serbien, beide durch türkisches
Gebiet erheblich vergröfsert, werden als unabhängiganerkannt, ebenso Rumänien. 2) Bulgarien bleibtder Pforte tributpflichtig, aber erhält einen christlichen Fürsten,e igene Verwaltung und Miliz; ein russischer Kommissar mit50000 Mann bleibt auf 2 Jahre im Lande. 3) Die Pforte führtin dem ihr verbleibenden geringen Rest ihrer europäischen Be-sitzungen gewisse Reformen ein. 4) Sie zahlt an Rufsland 300Millionen Rubel und tritt in Asien bedeutende Teile Armeniens,m Europa die Dobrudscha ab; letztere wird Rufsland als Er-satz für den von ihm im Jahre 1856 abgetretenen und jetztzurückzunehmenden Teil von Bessarabien (s. S. 370) an Rumäniengeben.
Hiergegen wird von verschiedenen Seiten lebhafter Wider-spruch erhoben, besonders von England, welches sich zum Krieggegen Rufsland, wenn dieses auf der Durchführung jener Be-dingungen bestehen sollte, bereit zeigt. Auch Österreich beginntzu rüsten.
4. Juni. Die Pforte schliefst mit England einen (vorerst ge-
heimen) Vertrag, wonach letzteres den Schutz derasiatischen Türkei gegen weitere russische Eroberungsgelüsteübernimmt, die Pforte aber sich zu Reformen in derselben ver-pflichtet und die Insel Cypern in englische Verwaltung giebt(Cypern besetzt 11. Juli).
Nachdem unter Deutschlands Vermittelung, um den Kriegzu verhüten, Rufsland und England sich über die wichtigstenStreitpunkte vorläufig verständigt haben, tritt unter dem Vorsitzdes Fürsten Bismarck zusammen der