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Etwa 60 Jahre später wagten sie noch einmal einen Zugnach Gallien und wurden vom römischen Feldherrn Julius Cäsarbei Bibrakte gänzlich besiegt. Sie mußten um Schonung undFrieden bitten. Beides wurde ihnen gewährt. Cäsar schickte siein die verwüstete Heimat zurück. Da mußten sie die Städte undDörfer aufbauen, welche sie selbst vor ihrem Auszuge verbrannthatten. Die Helvetier standen fortan unter römischer Herrschaft.
Die Römer bauten in Helvetien mehrere Städte: so die StadtAventikum (Wifflisburg in der Waadt), Vindonissa (Windisch imAargau), Angusta sBaselaugst), Genf, Lausanne (Losann), Solo-thurn, Chnr. Auch breite Straßen wurden angelegt, so besondersüber die Alpen nach Italien. Die Wälder wurden ausgereutet unddas Land urbar gemacht; Schulen wurden errichtet und Künsteund Wissenschaft gelehrt.
3. Die erste Ausbreitung des Kljristentums in Ketvetien.
Znr Zeit, da die Römer über Helvetien herrschten, kamen ausItalien und Gallien eifrige Glaubensboten. Diese verkündigten inunserm Vaterlande den christlichen Glauben. Der hl. Beotuspredigte am Thnnersee und der hl. Luzius in Rätien. RömischeKaufleute und Soldaten trugen auch vieles zur Ausbreitungdes Christentums bei, indem sie in verschiedenen Ortschaften christlicheFamilien und Gemeinden gründeten.
Die heidnischen Römer aber ließen die Ausbreitung des christ-lichen Glaubens nicht ruhig geschehen. Es begann eine blutigeVerfolgung der Christen. Tausende erlitten den Martertod, so derh l. M a u r i t i u s mit seiner thebäischcn Legion im Wallis, diehl. Ursus und Viktor in Solothurn und der hl. Felix in Zürich.Selbst Frauen gingen für den christlichen Glauben mutig in denTod, so in Zürich die hl. Rcgula, die Schwester des hl. Felix
Durch die Bekehrung des Kaisers Konstantin zum Christen-tum, im Jahre 311, erhielt zwar die christliche Kirche, wie im ganzenrömischen Reiche, so auch in Helvetien Ruhe. Doch diese Ruhe dauertenicht lange. Bald brachen neue Stürme über dieselbe herein.
4. Kelvetien zur Zeit der Wölkerwanderuug.
Wie einst die Helvetier ihre Heimat verlassen hatten, so brachenjetzt im Osten und Norden von Europa verschiedene Völker ausAuch diese wollten sich eine andere Heimat erkämpfen. Zuerstkamen um das Jahr 380 die heidnischen Alemannen und be-