Der germanische Volkscharakter.
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teilten. Dieser Typus ist stets dem Südländer schön und edel erschienen.Schon die Griechen dachten sich ihre Göttergestalten mit Vorliebe blond,und ebenso gefiel den Römern die Haar- und Hautfarbe der Germanen.Die germanischen Frauen namentlich waren in ihren Augen Schön-heiten, und begeistert konnte der Dichter Ausonius später seine germanischeBissula preisen. Die feine weibliche Welt in Rom liebte es wohl auch, sichdurch rötlich-blonde Perücken oder Färbung der Haare ein germanischesAussehen zu geben. Andererseits trug der Germane selbst mit Stolz dieMerkmale seiner Abkunft; sich von den Schwarzhaarigen zu unterschei-den, darauf legte er Wert. Wenigstens spricht dafür das namentlich vonden Männern geübte Rotfärben der Haare durch eine Art Pomade (ausTalg und Asche, vermischt mit pflanzlichen Stoffen), wenn man nicht mitH. Fischer als Zweck den ansehen will, daß das Haar eine den Gegnerschreckende leuchtende Farbe erhalten soll. Die Erfinder des Mittels warenwohl die Gallier. Dieses besondere Betonen und Verstärken der schonvorhandenen Blondheit bezeugt Diodor eben für die Kelten, d. h. aberwohl auch für die Germanen, für diese auch noch andere Autoren, z. B.für die Alemannen Ammianus. Es zeigt sich hier früh ein bestimmtesSchönheitsideal, das noch lange nachwirkte.
Der ungefügen äußeren Erscheinung der Germanen scheinen nunneben jenem kriegerischen Geist auch wilde innere Züge zu entsprechen.Im kuror tsutonieus, in großartiger Wildheit kam die ungestüme Kampf-lust zum Ausdruck, und oft mochte eurer in solcher Erregung den skandi-navischen Berserkern gleichen, die in Wut und Kraftgefühl in ihre Schildebissen. In ungebändigter und unüberlegter Wut sollerr germanische Stäm-me selbst Feuer und Wasser bekämpft haben. Immerhin erscheint dieWildheit durch das Heldenhafte der Tapferkeit gemildert, freilich auchwieder durch das wüste Kriegsgeschrei ungleich gesteigert. Eine Reiheweiterer barbarischer Züge entspricht der niederen Kulturstufe. Innaiver, ungebundener Weise äußert sich auf solcher Stufe der Egoismusdes Menschen. Will man etwas haben, so raubt man es, Vieh und Frauennamentlich; hat man einen persönlichen Feind, so schlägt man ihn tot.Die noch zu besprechenden schlimmen Konsequenzen solchen Handelns,soweit es gegen Stammesangehörige gerichtet war, mochten solchenwilden Egoismus schon früh zurückdämmen. Aber als schändliches Ver-brechen gilt zunächst weder der Raub — Raublust hat in der Regel dieKriegszüge veranlaßt — noch der Totschlag. Echte wilde Züge kommenim übrigen namentlich bei den Nordgermanen vor, wie das Blutaderritzen,fehlen aber auch bei den übrigen Germanen nicht. Eine Strafe, wie dasZerreißen bei lebendigem Leibe durch Rosse, das Ausdrücken der Augenmit dem Daumen nach siegreichem Ringkampf, das noch viel später vor-kommt, gehören hierher; der Gebrauch von Menschenschädeln als Trink-gefäße (auch für die Kelten und östliche Völker bestätigt und vielleicht, daman auch aus Schädeln der Eltern trank, aus dem Glaubensleben zu er-