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Georg Steinhaufen.
sonders für die so wichtige Gestaltung des späteren deutschen Familien-lebens von tiefgreifenden Folgen gewesen ist.
Einen anderen sittlichen Vorzug der Germanen hat man von jeherin ihrer Auffassung der Treue gefunden, diese freilich in der Regel vielzu hoch eingeschätzt. Ihr Preis ist zum Teil nur Selbstlob der Germanen.Von einer wirklichen sittlichen Forderung ist zunächst keine Rede. Es trittin der Treue wieder jener gemütliche Zug hervor, der ein Verhältnis vonMenschen zueinander nicht kalt und geschäftsmäßig zu denken glaubt,sowie jene Gutmütigkeit, die sich bereitwillig unterordnet. Er ergibt sichdaraus, daß solche Treue sich nur auf das Verhältnis von Person zu Per-son beziehen kann. Auch das, was Tacitus in der berühmten Stelle(Germ. 24) als Treue bewundert, die „Beharrlichkeit selbst beim Laster",wenn nämlich der beim Würfelspiel Unterliegende, falls er um seine Frei-heit gespielt hat, sich willig binden und abführen läßt, ist natürlich keinsittlicher Zug und paßt viel mehr, wie man hervorgehoben hat, zu derphantastischen Art des Germanen, zu seiner unüberlegten Maßlosigkeit.Noch weniger kommt als besonderer sittlicher Vorzug die Treue gegenden Gastfreund in Betracht, die bei anderen Völkern ganz ebenso gefor-dert wird. Treu aber in den: Sinne von zuverlässig, aufrichtig sind dieGermanen — sobald es über die persönlichen Beziehungen hinausging —überhaupt nicht gewesen, eher zuweilen das Gegenteil, trotzdem Goetheeinmal gemeint hat, das Wort perfide sei ins Deutsche nicht zu übersetzen.Vellejus Paterculus nennt die Germanen verschlagene Gesellen, zumLügen wie geschaffen. Die Arglist, mit der Arminius den Varus um-garnt, mag als letztes Mittel gegen einen gefährlichen Feind entschuldigtwerden. Aber auch später ist es der: Germanen auf den Bruch von Ver-trägen gegenüber den Römern nicht angekommen. Wegen ihrer Treu-losigkeit sind besonders die Franken bekannt gewesen. Und wenn jenefriesische Gesandtschaft zu Rom sich auch in der Treue (gegen Rom) vonkeinem anderen Volk übertroffen wissen wollte, so sind gerade die Friesennoch im Mittelalter ein übel berüchtigter Stamm gewesen. Diese po-litische Treulosigkeit haben im übrigen die Germanen selbst Germanengegenüber gezeigt. Das natürliche Fehlen eines Nationalgefühls mages erklären, wenn zahllose Germanen unter Roms Adlern gegen Ger-manen kämpften, treulos aber ist der Verrat an den eigenen Volksge-nossen, wenn z. B. später der Franke Charietto im römischen Sold seineeigenen früheren Genossen nachts im Weinschlaf überfiel und ihnen dieHälse abschnitt. Es ist auch keineswegs die „barbarischen" Völkern über-haupt eigentümliche Arglist, die sich bei den Germanen zeigte, vielmehrweist noch die spätere deutsche Geschichte nicht wenige Fälle beschämenderTreulosigkeit auf, die anderer Völker freilich noch mehr. Die eigentlichedeutsche Treue gilt also in der Hauptsache nur für jene persönlichenBeziehungen. Mann gegenüber Mann bestand das gegebene Wortunverbrüchlich, so, wenn zwei Kämpen, von: Kampf miteinander ermüdet,