Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Karls deS Großen Persönlichkeit, Familien- und Hofleben.

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II.

In der Tat lassen sich am Hofe Karls genau die beiden Strömungenscheiden, die germanische und die antike. Und von beiden ist die ger-manische noch immer die ungleich tiefere. Mochte der Kaiser sie auchüber sich selbst hinaus zu veredeln suchen, mochte er persönlich an einerersten Grammatik der deutschen Sprache schreiben, mochte er den deutschenHeldensang der Borzeit und der Mitwelt mit historischem Sinne be-handeln und demgemäß aufzeichnen lassen zum Nutzen späterer Zeiten,da er chn nicht mehr lebend vermutete: eben in dieser gelehrten Selbst-entaußerung offenbarten sich die Tiefen seiner Seele als germanisch.

germanisch war auch Karls Auffassung der nächsten Bande, dieMensch an Menschen ketten, des Familienlebens und der Ehe.

Gegenüber der systemlosen Entartung des Ehelebens im Hause derMerowmge hatten schon die Ahnen Karls auf den ursprünglichen, nochPolygamen Charakter der altnationalen Fürstenehe zurückgegriffen; na-^Euch Karl Martell lebte in dieser Hinsicht kaum anders als die zurHerrschaft geborenen Zeitgenossen Armins. Seine Söhne, der frommenarlmann und der bei aller Tatkraft gemütstiese Pippin, hatten sich dann^n dieser Grundlage wieder entfernt, indem sie sich dem Ehegesetz der^-m^^^kvarfen, die eben damals einen ersten Anlauf nahm zur Ber-chrytuchung der germanischen Anschauungen über die Ehe. Demgegen-folgte Karl der Große wiederum den älteren Traditionen seinesGeschlechtes, nur daß er den germanischen Grundsatz mehrerer fürstlicherFrauen den kirchlichen Forderungen insoweit anpaßte, als er seine Frauenmcht nebeneinander, sondern nacheinander nahm. Eine stattliche Reihevornehmer Frauen sehen wir daher im Laufe einer siebzigjährigen Lebens-dauer an seiner Seite, die fränkische Edle Himiltrud, eine Jugendliebe,die bald über der schwächlichen langobardischen Fürstentochter Desideratavergessen ward, nach dieser die schwäbische Herzogstochter Hildegard,tvohl die anmutigste Gestalt unter den Frauen Karls; sie starb, von ihremGemahl schmerzlich betrauert, im Jahre 783. Doch vermählte sich Karlbald wieder mit der stolzen Fastrada, aus ostfränkischem Grafengeschlecht,heiratete darauf die Schwäbin Liutgard, und als auch diese vorzeitig, kurzvor der Kaiserkrönung Karls, ins Grab gesunken, fand der sechzigjährigeHerrscher noch Geschmack an einem politischen Heiratsprojekt zwischenrhm und der oströmischen Kaiserin Irene, und nach dessen jähem Abbruchnoch Mut und Kraft, sich von drei deutschen Frauen mit einer Tochterund drei Söhnen beschenken zu lassen.

Die Familie, die sich unter diesen Wechseln um den Kaiser scharte,muß sehr zahlreich gewesen sein. Namentlich Töchter erblühten demköniglichen Hause in größerer Anzahl. Ihnen gegenüber machte Karl""n wiederum eine völlig germanische Lebensanschauung geltend. Niehat dem Deutschen in germanischer Urzeit kühne Frauenliebe als verpöntgegolten, auch wenn ihr das rechtlich zwingende Band fehlte; Ehebruch