Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Karls des Großen Persönlichkeit, Familien- und Hofleben.

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über wahre Heere von Begleitern zu verfügen; aus dem Begriff desDienstes heraus erwuchsen im deutschen Mittelalter ganze soziale Schich-ten; schon ein Bischof ritt kaum mit einem Gefolge unter 60 bis 70 Per-sonen über Land. So war Karl von einer Fülle dienender Personen um-geben; zu dem eigentlichen Körper der kriegerischen Leibwache, die sozahlreich war, daß von ihr ganze Besatzungen und kleine Heere abge-zweigt werden konnten, kamen die Beamten der einzelnen Hofdienste,der Jägerei, der Reichsämter, der Kanzlei, des persönlichen Dienstes.

Und nicht genug mit dem ewigen Kommen und Gehen dieser Scha-ni 6üch der Aufenthaltsort war für den Kaiser, wie für den mittelalter-nchen König, kein ständiger. Noch gab es keine Residenz dauernder Art;von Provinz zu Provinz zog der Herrscher im Wechsel der Wochen undMonate. Denn da die Einnahmen des Königs überwiegenden Teilesaus den Erträgen der fiskalischen Landwirtschaft bestanden, die in Geldumzusetzen das geringe Leben der Volkswirtschaft noch nicht gestattete,Md da es ferner die schlechten Verkehrsmittel unmöglich machten, dieseErträge nach wenigen Punkten des Reiches zum Gebrauch des Herrschersund seines Hofes zusammenzubringen: so blieb dem Könige nichts übrig,als persönlich mit Hof und Familie von Pfalz zu Pfalz zu ziehen und seineEinkünfte da zu verzehren, wo sie gewachsen waren.

Auch Karl hat unter diesen Schwierigkeiten gelitten; doch ist erschließlich, allein unter allen Herrschern seines Stammes und künftigerKaisergeschlechter des eigentlichen Mittelalters, ihrer bis zu einem ge-wissen Grade Herr geworden. Schon früh brachte er es dahin, seinenmehr oder minder ständigen Aufenthalt jedenfalls an die große Ver-kehrsstraße im Osten seines Reiches, an den Rhein zu verlegen, sei esuach Jngelheim, sei es nach Nijmegen oder nach Aachen; an diesen Orten^ruwchte man am ehesten unter Benutzung der vorhandenen Wasser-straßen des Rheins, des Mains und der Maas die Erträge der benach-barten Domänen zu vereinigen. In seinem Greisenalter hat der Kaiser esdann zu noch weiterer Konzentration gebracht. Nun lebte er, körperlichwenn nicht schwach, so doch nachlassend, fast durchweg in Aachen, im stän-digen Gebrauch der heilsamen Bäder des Ortes und nahe der nie ver-gessenen Heimat seiner Ahnen.

Indes die Ruhe einer ständigen Residenz im Sinne unserer Tageward ihm auch hier nicht zu teil. Die Völker seines Reiches waren durchden bisher regelmäßigen Wechsel des königlichen Aufenthaltsortes darangewöhnt, den König persönlich zu sehen, sich ihm unmittelbar zuzu-wenden; sie ließen von diesem Brauche jetzt um so weniger, je dauernderüch der Ruhm Karls verbreitete. Aachen wurde zur Zufluchtsstätte aller^drängten, zur Bildungsstätte aller Talente, zum Tummelplatz allerStreber im weiten Rund des Karolingischen Reiches; von Tag zu Tag.zogen neue Scharen, andere Fürsten, weiter hergekommene Gesandt-schaften durch die Tore der Lieblingspfalz, und Karl der Große war soSchmiedei, Leltüre. I. Teil. 2