Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Ottos I. weltgeschichtliche Stellung.

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Nach mehrjähriger Trennung sah Otto die Heimat wieder. Aber-mals hielt er auf seinen Pfalzen an der Elbe und Saale den Umritt,tagte abermals auf dem Kyffhäuser und ließ in den Wäldern des Harzesdas Jagdhorn erschallen: aber ein neuer, in diesen Gegenden bisher un-bekannter Glanz umgab ihn, er tmg eine Krone, die noch nie das Haupteines Sachsen geschmückt hatte.

Wie wunderbar hatten sich doch die Dinge gestaltet! Hier an denäußersten Grenzen, zu denen die römischen Legionen vorgedrungen undwo ihr Siegesruhm untergegangen war — hier, wo die Macht desrömischen Weltreichs Ziel und Schranke gefunden hatte, lagen nun dieStammsitze des neuen Augustus; hier war und blieb gleichsam der Mit-telpunkt seiner Macht. Dieses sächsische Land, noch voll von ungelich-teten Wäldern, unwirtbaren Sümpfen, weiten Landstrecken, über dieniemals eine Pflugschar gegangen war, dieses Land, wo man erstseit Menschengedenken Stadtmauern und Burgen zu bauen angefangen,hatte den alten Kulturländern, in denen eine tausendjährige Geschichtestaatliche Ordnungen, bürgerlichen Verkehr und geistige Bildung nachallen Seiten verbreitet, den Vorrang abgewonnen und die Herr-schaft entrissen. Durch einen gewaltigen Umschwung aller Verhält-nisse war der Mittelpunkt der abendländischen Geschichte aus demSüden und Westen mitten in das Herz Europas verlegt und dadurchLändern und Völkern genähert worden, von denen die kultivierte Weltbis dahin die abenteuerlichsten Vorstellungen genährt hatte, die bishervon der allgemeinen Entwicklung so gut wie ausgeschlossen waren underst jetzt bestimmter in den Gesichts- und Wirkungskreis der Kultur-völker traten.

Die Herrschaft der Germanen über Rom war allerdings schon vorgeraumer Zeit begründet: ein Jahrhundert lang hatte das GeschlechtKarls des Großen über die ewige Stadt geherrscht, und der römischePontifex, der Vertreter des Römertums, seitdem dasselbe, aus der welt-lichen Herrschaft verdrängt, auf geistlichem Gebiet die Spitze zu nehmenwußte, hatte sich den fränkischen Herren gebeugt. Aber die Franken warender deutsche Stamm, der zuerst den Glauben der Römer annahm undfrüh mit römischer Bildung bekannt wurde; Römertum und Frankentumhatten längst sich genähert und in manchen Beziehungen ausgeglichen.Anders die Sachsen. Noch vor wenigen Menschenaltern hatten sie sichden Boten des römischen Bischofs mit derselben Hartnäckigkeit wider-setzt wie einst den römischen Imperatoren und ihren Legaten und warennur durch die blutigsten Gewalttaten zu der Lehre der römischen Kirchebekehrt worden; es war nicht eben lange, daß man die Sprache Latiumsin sächsischen Schulen lehrte. Nun aber saß ein Mann, der nicht ohneStolz den letzten Vorfechter des germanischen Heidentums unter seinenAhnen zählte, auf dem kaiserlichen Thron Roms und beherrschte alsNachfolger des Augustus den Nachfolger des heiligen Petrus; er war es.