Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Wilhelm v. Giesebrecht.

der einen vom römischen Volke gewählten Bischof in das feme Exil ander Elbe sandte, der Päpste setzte und stürzte.

Es scheint der vollständigste Sieg zu sein, den jemals das Ger-manentum über Rom davongetragen hatte. Und doch waren es geradejene politischen und kirchlichen Ideen, welche in Rom erwachsen warenund die Blicke der Welt immer von neuem dorthin lenkten, die in diesemsächsischen Edling und durch ihn ein neues, frisches Leben gewannen.Denn was wollte er anders gründen als eine Weltmacht gleich denCäsaren? Kaiser der Römer und Augustus nannte er sich und hatte zuRom seine Kaiserkrone empfangen. Und war ihm nicht das Grab desh. Petrus zu Rom die geweihteste Stelle des Erdkreises? War nicht dieserSachse in Kriegsrüstung ein ebenso eifriger Apostel der römischen Kircheals jener angelsächsische Mönch, der als Dienstmann des Papstes imdeutschen Norden das Christentum angepflanzt hatte? Indem Otto dieMacht seines Reichs bis zu den äußersten Völkern des noch unerschlos-senen Nordens und Ostens ausbreiten wollte, beabsichtigte er zugleich,das Christentum in der Form, die ihm Rom gegeben hatte, bis an dasEnde der Welt zu tragen. Die Gebeine der römischen Märtyrer holteer über die Mpen, und durch den Glauben an sie wirkte er Wunder:Wälder wurden gelichtet, Sümpfe ausgetrocknet, Städte erbaut, Siegegewonnen über die gefährlichsten Feinde. Die Sprache Roms tönte nichtallein an den Altären Sachsens wieder, sie wurde zugleich die Geschäfts-sprache in der Kanzlei des Kaisers; in ihr gingen noch immer die Macht-gebote des Augustus in alle Welt hinaus. So lebte Otto, obwohl einsächsischer Kriegsmann vom alten Schlage durch und durch, doch zugleichganz in jenen römischen Ideen, die einst seine Vorfahren bekämpft hat-ten; die gewaltigsten Gegensätze, welche die Weltgeschichte bewegt haben,begegneten sich in ihrer vollen Schroffheit in seiner Persönlichkeit undglichen sich^doch in ihr ebenso aus, wie in dem großen Gange der Dinge.