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Gustav Freytag.
Speisen mit Brot angreift, soll die Krumen, behüten, wenn er mit einemandern ißt, daß sie nicht in die Schüssel fallen. Niemand soll aus derSchüssel trinken, nicht abbeißen und wieder in die Schüssel legen, nichtzwei sollen einen Löffel gebrauchen, beim Schneiden soll man nicht dieFinger auf die Klinge legen, man soll nicht trinken und sprechen, bevorman die Speisen hinabgeschluckt hat, nicht schmatzen und rülpsen, sichnicht in das Tischtuch schnauzen, nicht über den Tisch legen, nicht krummsitzen und sich nicht auf die Ellenbogen stützen. Andere Dinge als Speisensoll man während des Essens nicht mit der bloßen Hand anfassen, sonderndafür das Gewand über die Hand decken. Vor dem Trinken soll man denMund wischen, nicht in den Tmnk blasen, während dem Trunk nicht überden Becher sehen. Man soll nur zwischen den Trachten trinken, man sollnicht essen, während der Geselle trinkt, man soll beim Essen gegen seinen„Gemäßen" billig sein und ihm nicht seinen Anteil wegessen, endlich dieZähne nicht mit dem Messer stochern.
War das Kind im Edeldienst herangewachsen, so wurde es Knechteines ritterlichen Herrn; nicht immer an demselben Hofe, wo der Glanzund Müßiggang vornehmen Dienstes verweichlichte, sondem bei einemfesten und erprobten Lehrmeister. Jetzt ward der Knappe*) im Reiter-handwerk unterwiesen; dazu gehörte außer den alten Turnübungen:Steinstoß, Wurf, Sprung, vor allem Gebrauch der Waffen, dann dievornehme Jagd mit Falken und mit Winden, höfischer Tanz und ritter-licher Dienst bei Frauen durch Liederdichtung und Gesang. Der jungeKnecht nahm teil an den Fahrten seines Herrn und wartete ihm auf beiSpiel, Fehde und Krieg. Es scheint, daß der Jüngling als Knecht einenBeinamen erhielt, mit dem er von seinen Gesellen gerufen wurde;wenigstens sind in den höfischen Kreisen charakterisierende Beinamen sehrhäufig, welche aus Laune, Spott, Haß beigelegt werden, zuweilen alsPseudonyme den wirklichen Namen ihres Besitzers verstecken. Der jungeKnecht turnierte eifrig mit seinen Gefährten, die Ritterschaft zu lernen,um besondere Knechtspreise.
In jedem Beruf wird streng unterschieden zwischen dem Herrn, derdas Amt mit allen Rechten ausübt, und den lernenden und helfendenArbeitern; Kind und Knecht sind überall die Vorstufen zur Ehre des Herrn,beim Bauer, Handwerker, Kaufmann, sogar die Mönche waren in Wür-den und Rechten abgestuft. Und sehr früh muß der systematische Sinnder Germanen und ihre Freude an bedeutsamem Brauch in jedem dieserLebenskreise die Rechte der einzelnen Stufen sorglich bestimmt und dieEinführung mit weihendem Zeremoniell umgeben haben. Hatte sich der
*) Zwischen Knappe und Knecht ist lein anderer Unterschied, als daß denSchriftstellern, Zeiten, Dienstkreisen bald das eine, bald das andere gebräuchlicherist. Für das gleiche Amt braucht bis zur Gegenwart die Sprache regellos einesder beiden Wörter: Mühlknappe, Bergknappe, Schuhknecht, vgl. Hildebrand inGrimms Wörterbuch unter den betr. Wörtern.