Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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MÖG

Luther im „heiligen" Rom.

Von Georg Bnchwald.

Während seines zweiten Aufenthaltes in Erfurt hat Luther im Auf-trage Staupitz' über die geplanten Reformen im Augustinerorden mitAdolf von Anhalt, dem späteren Bischof von Merseburg, verhandelt.Nicht alle Konvente waren geneigt, sich den Anordnungen des General-vikars zu fügen. Der Papst sollte ein Machtwort sprechen. Eine besondereGesandtschaft sollte sich deshalb nach Rom begeben. Luther war dazuausersehen, an derselben teilzunehmen.

Sein Herz schlug höher, als er von dem Auftrag hörte, den ihmStaupitz zugedacht hatte. Nach Rom zu Pilgern, in Rom eine „General-beichte" abzulegen, sich des reichen Ablasses der „heiligen" Stadt teil-haftig zu machen, das war seit langem sein stiller Wunsch gewesen.Kaum hatte er es zu hoffen gewagt, daß er sich je erfüllen würde.

Ob Luther seine Romreiselvon Erfurt aus antrat oder ob er erstnach Wittenberg zurückgekehrt ist, läßt sich mit völliger Bestimmtheitnicht sagen. Wahrscheinlich aber ist es, daß er im Frühjahr 1511 dasErfurter Kloster, in dem er wohl zum Verdruß mancher Klosterbrüderenergisch die Staupitzschen Vorschläge vertreten hatte, verließ und wiedernach Wittenberg kam. Sein Reisegefährte für die weite Wanderung —die Augustiner durften stets nur zu zweien reisen — war Johann vonMecheln, der Prior des Augustinerklosters zu Enkhuizen am Zuidersee.Dieser hatte am 16. September 1511 zu Wittenberg die theologischeDoktorwürde erlangt. Bald darnach werden die beiden ihre Reise ange-treten haben. Reisegeld brauchten sie nicht. Die Klöster am Wege botenZehrung und Obdach. Die zehn Goldgulden, die sie mitnahmen, warenfür einen Notar in Rom bestimmt, den sie zur.Erledigung ihrer Geschäfteannehmen mußten. Ende Noveinber oder Anfang Dezember werdendie Pilger am Ziele gewesen sein. Wie man aus zerstreuten Angabenschließen zu dürfen glaubt, zogen sie durch Thüringen, Bayern, Schwa-ben über Ottobeuren, Füßen, Hohenschwangau nach Vorarlberg undGraubünden und gelangten über Mailand, Cremona, Bologna, Florenzund Siena nach Rom. Auch auf Luther machte^die Majestät der Alpensicher gewaltigen Eindruck. Aber das Herz ging ihm auf, als er nnt seinemGefährten hinunterstieg zu den freundlichen und fruchtbaren vom Po