Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Luther int „heiligen" Rom.

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durchflossenen Gefilden der lombardischen Ebene. Und doch waren seineGedanken nicht auf die Herrlichkeit der Natur, sondern aus die Kirche undauf das Heil seiner Seele gerichtet. Den sichtbaren Segen der Kirchefand er in den italienischen Hospitälern, so vornehmlich in Florenz: „InItalien sind die Spitale sehr wohl versehen, schön geballt, gut Essen undTrinken, haben fleißige Diener und gelehrte Ärzte, die Betten undKleidungen sind fein rein und die Wohnungen schön gemalt. Sobaldein Kranker hineingebracht wird, zieht man ihm seine Kleider aus imBeisein eines Notars, der sie treulich verzeichnet und beschreibt,werden wohl verwahrt, und man zieht ihm einen weißen Kittel an, legtihn in ein schönes, gemachtes Bett, reine Tücher. Bald bringt man ihmzwei Arzte und kommen die Diener, bringen Essen und Trinken in rei-nen Gläsern, Bechern, die rühren sie mit einem Fingerlein an. Auchkommen etliche ehrliche Matronen und Weiber, verhüllt unterm Ange-sicht, etliche Tage, dienen den Armen als Unbekannte, daß man nichtwissen kann, wer sie sind, darnach gehen sie wieder heim."

Endlich war der ersehnte Augenblick gekommen. Dort lag die ewigeStadt! Überwältigt von seinen Empfindungen sank Luther in die Knie,hob seine Hände auf und sprach: „Sei gegrüßt, du heiliges Rom!"

Etwa vier Wochen währte der Aufenthalt zu Rom — Zeit genug,neben der Erledigung der Geschäfte die Stadt zu besichtigen und nach-haltige Eindrücke zu empfangen. Luthers Augen schauten das Kolosseum,die Thermen Diokletians, „das warme Bad, welches geleitet ist anfünfundzwanzig deutsche Meilen von Neapel in ein schönes, herrlichgebautes Haus," das Pantheon, „darin die Römer aller Götter Bildnisgesetzt haben," welches Bonifaz III. zur „Aller Heiligen"-Kirche gemacht:„Da ich zu Rom war, habe ich diese Kirche gesehen; die hatte keine Fenster,sondern nur oben hatte sie ein rundes Loch, davon sie Licht hatte, undwar hoch gewölbt; sie hatte so dicke, marmelsteinerne Säulen oder Pfei-ler, die unser zwei schwerlich umgreifen könnten. Oben am Gewölbewaren alle Götter der Heiden gemalt, Jupiter, Neptunus, Mars, Venusund wie sie mehr geheißen haben." Luthers Herz aber war bei den„Gnaden," die Roms Kirchen und Wallfahrtsstätten versprachen. „Ichwar auch zu Rom ein so toller Heiliger," schreibt er reichlich zwanzigJahre später, „lief durch alle Kirchen und Klöster, glaubte alles, was da-selbst erlogen und erstunken ist. Ich hab' auch wohl eine Messe oder zehnzu Rom gehalten und war mir dazumal schier leid, daß mein Vaterund Mutter noch lebten; denn ich hätte sie gern aus.dem Fegefeuer er-löst mit meinen Messen und ander mehr trefflichen Werken und Ge-beten. Es ist zu Rom ein Spruch: Selig ist die Mutter, deren Sohn amSonnabend zu St. Johannis eine Messe hält. Wie gern hätte ich da meineMutter selig gemacht! Aber es war zu dränge und konnte nicht zu-kommen." Kniend erklomm Luther die achtundzwanzig Stufen derPilatustreppe und erwarb sich den reichen Ablaß, der solchem frommen

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