Luthers Lebensende und Lebensarbeit.
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Nutzer, sondern der alte Reformator bewies auch hier wieder den rich-tigeren politischen Blick. Solange er sich von dem Habsburger hattetäuschen lassen, jetzt verkannte auch er nicht mehr, daß Karl ein Heuchlerund Gefahr in vollem Anzug sei.
Inzwischen hatten bereits im Oktober die mehrfachen Reisen nachMansfeld begonnen, von deren letzter Luther nicht lebend wiederkehrte.Graf Albrecht, der Agricola durch Vorenthaltung einer längst verspro-chenen Aufbesserung aus Eisleben vertrieben hatte, der seinen Beuteldurch Aufnahme von Schutzjuden füllte, die er jetzt gern wieder losgewesen wäre, der die Bergleute, auch Verwandte Luthers, unbillig aus-beutete, lag mit seinem Bruder über Bergwerks- und andere Rechte inlangjährigen, erbitterten Prozessen. Beide Parteien hatten sich Lutherals Schiedsrichter gefallen lassen. Der erste Vermittelungsversuch imOktober mußte abgebrochen werden, weil Albrecht wegen des Einfallsdes vertriebenen Herzogs Heinz in Braunschweig in aller Eile abreiste.An Weihnachten wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen,kamen aber gleichfalls nicht zu Ende, weil Melanchthon erkrankte undLuther seinen Freund selbst nach Wittenberg zurückbringen wollte.Melanchthon blieb nun, wie Kanzler Brück sich ausdrückt, „mit den Mans-seldischen Säuhändeln verschont," aber Luther mußte bei häßlichemTauwetter am 23. Januar 1546 wieder aufbrechen, dieses Mal nach Eis-leben. Seine drei Söhne, ihr Hauslehrer Rudtfeld und Aurifaber, derHerausgeber der deutschen Tischreden, begleiteten ihn. In Halle solltesich Justus Jonas ihnen anschließen. Aber wegen der ausgetretenenGewässer mußten sie noch drei Tage in Halle füll liegen. Wahrscheinlichbei dieser Gelegenheit schenkte Luther seinem Wirte einen Becher mitdem Verse:
Jonas, dem Glas, gibt Luther ein Glas, der selber ein Glas ist.
Daß sie dessen gedenken, wie sie selbst zerbrechliches Glas sind.
So mischen sich Todesgedanken selbst in solche Scherze. Der Abreise ausHalle setzte sich die ausgetretene Saale entgegen: „Es begegnete uns einegroße Wiedertäuferin mit Wasserwogen und Eisschollen," schreibt Lutherseiner Frau. Als sie am 28. Januar die Überfahrt wagten, war sie nochnicht ohne Gefahr. Auf dem Kahne sagte Luther zu seinem alten Freunde,der einst mit ihm nach Worms geritten war: „Lieber Doktor Jonas, wäredas dem Teufel nicht ein fein Wohlgefallen, wenn ich, Doktor Martinus,mit drei Söhnen und Euch im Wasser ersöffe?" Auch seiner Käthe hatteer von Halle aus geschrieben: „Ich hätte nicht gemeint, daß die Saaleeine solche Sodt machen könne, daß sie über Steinwege und alles sorumpeln sollte.... Aber der Teufel wohnt im Wasser und ist unsgram." Käthes erster Brief muß sehr besorgt geklungen haben, denn vonEisleben aus, wo die Verhandlungen geführt wurden, tröstet sie Luthermit dem Gruße: „Meine alte arme Liebe, und, wie ich weiß, unkräftigezuvor." Wohl meldet er ihr, daß er krank gewesen. Als er durch ein
Schmieder, Lektüre. I.Tetl. 7