Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Adolf Hausrath.

ihm selbst Arznei. Als ihm wieder besser geworden war, gab er nochden Freunden die Hand und legte sich nieder. Aber um ein Uhr rief erden Diener und stand wieder auf, da er neue Beklemmungen fühlte.Es wurde nach den Ärzten geschickt, er aber legte sich auf ein Ruhepolster.Sprüche betend im Latein der Vulgata, wie er sie als Kind gelernt, finger an einzuschlafen. Aber Jonas und Cölius, der Mansfelder Hofprediger,denen es um ein letztes Zeugnis ihres Meisters zu tun war, riefen demSterbenden ins Ohr: „ksvsrsnäs patsr, wollet Ihr auf Christum unddie Lehre, wie Ihr gepredigt, beständig bleiben?" Und er antworteteein deutlich hörbares „Ja". Dann wurde es füll. Der Apotheker, nachdem man geschickt hatte, fand nur noch eine Leiche. Gegen drei Uhr des18. Februar 1546 hatte er vollendet. Jonas, Cölius, Aurifaber, dieSöhne und der Erzieher Rudtfeld waren Zeugen seines Todes. . ..

Das religiöse Erträgnis seiner Lebensarbeit lag bereits jedermannvor Augen, als er schied. An Stelle eines erdrückenden Werkdienstes,eines heidnischen Geplappers, eines Systems religiöser Höflichkeits-bezeigungen gegen die Heiligen hatte er wahre Andacht und herzlicheBuße verlangt, und die Seinen wußten, daß sie damit das gute Teil er-wählt hatten. Luther bedeutet für das deutsche Volk so viel, als die deutscheBibel, das protestantische Kirchenlied und die evangelische Erbauungs-literatur bedeuten und Segen gewirkt haben. Ihm verdanken wir jeneletzte Vertiefung des deutschen Gemüts, die schärfere Empfindung desdeutschen Gewissens, die strengere Zucht des deutschen Hauses. Er hatdem deutschen Volke eine neue Seele eingesetzt. All seine männlichenInstinkte hat er geweckt; er lehrte es singen: „Und wenn die Welt vollTeufel wär, es soll uns doch gelingen." Er hat der Nation Eisen insBlut gegossen.

Aber auch für die äußere Gestaltung der deutschen Welt war Lutherdie wichtigste Erscheinung der Neuzeit. Man könnte jede andere ge-schichtliche Gestalt aus dem sechzehnten Jahrhundert herausnehmen,die Entwicklung bliebe dieselbe; ohne Luther wäre es dasselbe Jahr-hundert nicht mehr und noch das unsere hätte ein anderes Gesicht. Erbrachte eine neue Welt. Daß der Papst nicht mehr den Schiedsrichterzwischen den Völkern Europas machen, daß er nicht mehr Fürsten gegenFürsten hetzen, daß er nicht mehr öffentlich zu Raub, Mord und Brandob angeblicher Ketzerei auffordern, daß er mit einem Worte nicht mehrden bevollmächtigten Statthalter Gottes auf Erden spielen konnte, daswar Luthers Verdienst. Er lehrte sein Volk, daß Gott auf Erden Mit-arbeiter wolle, aber keinen Stellvertreter brauche. Auch jetzt noch konntedie Kurie durch Jesuiten, Hofprediger und die Damen des Hofs viel Un-heil stiften, aber dem „nmnäEus" des Papstes hatte Martin Lutherein Ende gemacht. Bon dem Verfluchen ganzer Länder war nicht mehrdie Rede. Indem er die Heiligherrschaft des Papstes und der Bischöfebrach, begründete Luther zugleich den modernen Staat. An Macht, an