Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Leopold v. Ranke.

alten Kaiser sich mit Fürsten und Herren gehalten, gern nachahmte; ober sich wohl bemühte, deutsche Sitten anzunehmen, und sogar den Bartnach deutscher Weise trug: so erschien er den Deutschen doch immer alsein Fremder. Ein Vorspänner bei dem Geschütze, den er heftig antreibt,laßt ihn die Peitsche fühlen; vor Algier legt ein Landsknecht sogar aufihn an: beide, weil sie ihn für einen Spanier halten.

Besonders seit dem Schmalkaldischen Kriege zerfiel er mit der Mei-nung der Nation. Man nannte seine beiden Gegner die Großmütigen;er aber, Karl von Gent, wie man ihn hieß, habe hämisch gelacht, als erden guten Kurfürsten gefangen genommen; mit welcher Hinterlist habeer sich in Halle des Landgrafen bemächtigt! Während die Italiener seineEinfachheit priesen, wenn er unter einem glänzenden und reich gekleidetenGefolge selber in einem unscheinbaren Mantel in ihre Städte einritt,fanden die Deutschen auch an solchen Dingen etwas auszusetzen. Als ervor Naumburg von einem Regen überrascht wurde, ließ er sich sein altesBarett aus der Stadt holen und nahm das neue, das er trug, indes unterden Arin. „Armer Kaiser, dachte ich," sagt Sastrow, „der Tonnen Goldesverkriegt und um eines sammetnen Käppchens willen im Regen hält."Genug, in Deutschland ward ihm nie recht wohl. Die Entzweiungennahmen alle seine Tätigkeit hin, ohne ihm Ruhm zu gewähren; dasKlima war seiner Gesundheit nachteilig; er konnte die oberdeutscheSprache nicht recht; die Mehrzahl der Nation mißverstand ihn und warihm abgeneigt.

Sein Leben fing spät an, selbständig zu werden, und ging ihm frühdahin. Lange wollte er nicht wachsen, und man versuchte manche Küche,um ihn besser zu fördern. Seine Entwickelung blieb ungewöhnlich zu-rück, bis man im Jahre 1521 bemerkte, daß er einen Bart bekomme undmännlicher werde. Seitdem blühte er eine Zeit lang in gesunder Jugend.Er fing an, die Jagd zu lieben. In den Alpuxarren, in den toledanischenHeiden verlor er sich mehr als einmal so weit, daß niemand sein Hornhörte, daß etwa ein Moriske ihm am Abende den Weg weisen mußteund man in der Stadt schon Lichter in die Fenster gestellt hatte und dieGlocken zog, um ihn zu suchen. Zu Pferde turnierte er bald in Schran-ken, bald in offenem Felde; er versuchte sich mit Rohr und Gineta; auchzu Fuße blieb er nicht zurück. Den Streit, den er mit Franz I. hatte, durcheinen Zweikampf zu endigen, war wenigstens bei ihm voller Ernst. Wirhaben aus dieser Zeit ein Bild von ihm mit noch geschlossenem, etwasbefehlshaberischem Munde, großem und feurigem Auge, gedrungenenZügen; es ist ganze Gestalt; er faßt einen Jagdhund am Halsbande.Aber allmählich und nur allzubald entwickelte sich die Trennung zwischender oberen und unteren Hälfte seines Gesichtes, welche seine meistenBilder charakterisiert. Die untere tritt hervor, der Mund bleibt offen,die Augenlider senken sich. Sowie er vollkommen in das tätige Lebeneintritt, ist er bereits nicht gesund mehr, und mit einer sonderbaren Art