Karl V.
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von Neid sieht er den Heißhunger an, mit dem ein eben von der Reise ge-kommener Geheimschreiber den Braten aufzehrt, den man ihm vorge-setzt hat. In seinem 36. Jahre, zu Neapel, gerade als er sich schmückenwollte, um etwa auch, wie er gesteht, den Damen zu gefallen, bemerkteer die ersten weißen Haare an seinen Schläfen. Nur vergebens ließ ersie wegnehmen: sie kamen immer wieder. Im 40. Jahre fühlte er seineKraft schon halb gebrochen. Es mangelte ihm das alte Vertrauen zu sichselbst und zu seinem Glücke, und es ist bemerkenswürdig, daß er sichfeiner Begegnisse vor diesem Jahre besser zu erinnern wußte als dernachfolgender:, obwohl dieselben so viel neuer waren. Seitdem griffihn besonders die Gicht an. Er mußte meist in der Sänfte reisen. Zu-weilen brachte er zwar noch einen Hirsch, ein wildes Schwein von derJagd; doch gewöhnlich mußte er sich begnügen, mit der Büchse ins Holzzu gehen und nach Krähen und Dohlen zu schießen. Sein Vergnügenwar zu Hause, wo ihm der Narr hinter seinem Tische zuweilen ein halbesLächeln abnötigte, wo ihn sein Hofmeister Monfalconet mit treffendenAntworten reizte und ergötzte. Doch immer heftiger setzte ihm die Krank-heit zu. „Die Gicht," sagt Cavallo 1550, „steigt ihm manchmal bis zumKopse und droht, ihn einmal plötzlich zu töten." Die Ärzte rieten ihmdringend, Deutschland zu verlassen; die steigende Verwirrung der Ge-schäfte hielt ihn in diesen Gegenden fest. Da entwickelte sich ein Hangzu schwermütiger Einsamkeit, der lange in ihm gewesen, zu überwiegen-der Stärke: im Grunde doch der nämliche, der seine Mutter, so langeauf der Welt, so lange der Welt entfremdet gehalten. Karl sah niemand,wen er nicht ausdrücklich hatte rufen lassen. Oft war er unmutig, nurzu unterschreiben. Selbst einen Brief zu öffnen, machte ihm Schmerzenin der Hand. In einem schwarz ausgeschlageneu Gemache, das mitsieben Fackeln erhellt war, lag er stundenlang auf den Knien. Als seineMutter gestorben, glaubte er zuweilen ihre Stimme zu vernehmen, dieihn rufe, nachzukommen.
In diesem Zustande entschloß er sich, das Leben zu verlassen, eheer noch starb.