Der Friede -es Dreißigjährigen Krieges.
Von Gustav Freytag.
Der Friede war unterzeichnet, die Gesandten hatten einander zurBestätigung feierlich die Hand gereicht, auf allen Straßen ritten die Trom-peter, das glückliche Ereignis zu verkündigen.
Zu Nürnberg hielten die Kaiserlichen und die Schweden im großenSaale des Rathauses das Friedensbankett. Die hochgewölbte Halle warglänzend erleuchtet, zwischen den Kronleuchtern hingen dreißig ArtenBlumen und lebendige Früchte in Goldlahn eingebunden herab; dieMusikchöre waren zu lustigem Spiel aufgestellt, in sechs verschiedenenZimmern versammelten sich die sechs Klassen der eingeladenen Gäste.Auf den Tafeln standen die beiden ungeheuren Schaugerichte, ein Sie-gesbogen und ein sechseckiger Berg, bedeckt mit mythologischen undallegorischen Figuren, lateinischen und deutschen Sinnbildern. Auf-getragen wurde in vier Gängen, jeder Gang hundertundfünfzig Speisen,dann kamen die Früchte in silbernen Schüsseln und an „lebendigen"Zwergbäumen, mit denen die ganze Tafel besetzt war; dazwischen branntefeines Rauchwerk, das einen sehr guten Geruch von sich gab. Darnachwurde das oberste Blatt der Tafel stückweis abgenommen, der Tisch vonneuem mit Tellem und Servietten besetzt und mit überzuckerten Blumenbestreut, und jetzt folgte das Konfekt, dazu riesige Marzipane auf zweiSilberschalen, von denen jede zehn Pfund schwer war. Und wenn dieGesundheit Seiner Kaiserlichen Majestät zu Wien und Ihrer KöniglichenMajestät von Schweden ausgebracht und auf das Gedeihen des ge-schlossenen Friedens getrunken wurde, mußte auf der Burg aus fünfzehngroßen und kleinen Stücken geschossen werden. Zuletzt, als dies Frie-densfest bis tief in die Nacht gedauert hatte, wollten die anwesendenKriegsherren und Generäle zum Abschied noch einmal Soldaten spielen.Sie ließen sich Ober- und Untergewehr in den Saal bringen, erwähltenzu Hauptleuten die beiden Gesandten, Seine hochfürstliche Durchlauchtden schwedischen Generalissimus Herrn Karl Gustav, Pfalzgrafen beiRhein, der nachher König von Schweden wurde, und Seine Exzellenzden General Piccolomini, zum Korporal aber den Feldmarschall Wrän-ge!; alle Generäle, Obersten und Oberstleutnants wurden zu Muske-tieren gemacht. So marschierten die Herren um die Tafel, schössen ein