Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Der Friede des Dreißigjährigen Krieges.

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„Salve," zogen in guter Ordnung auf die Burg und brannten dort viel-mals die Stücke los. Bei ihrem Rückmarsch aber wurden sie von demHern: Oberst Kraft scherzweis abgedankt und des Dienstes entlassen,weil nunmehr Friede sei. Für die Armen aber wurden zwei Ochsen ge-schlachtet und vieles Brot ausgeteilt, und aus einem Löwenrachenlief sechs Stunden lang weißer und roter Wein herab. Aus einemgrößeren Löwenrachen waren dreißig Jahre lang Tränen und Blutgeflossen. -

Und wie die Herren Gesandten, rüstete das Volk in jeder Stadt,in jedem halbzerstörten Dorfe eine Festfeier. Welche Wirkung die Frie-densbotschaft auf die Überreste der deutschen Nation machte, ist nochaus rührenden Einzelheiten zu erkennen. Den alten Landleuten erschiender Friede als eine Rückkehr ihrer Jugend, sie sahen die reichen Erntenihrer Kinderzeit wiederkehren, dichtbevölkerte Dörfer, die lustigen Sonn-tage unter der umgehauenen Dorflinde, die guten Stunden, die sie mitihren getöteten und verdorbenen Verwandten und Jugendgenossen der-lebt hatten; sie sahen sich selbst glücklicher, männlicher und besser, als siein fast dreißig Jahren voll Elend und Entwürdigung geworden waren.Die Jugend aber, das harte, kriegerzeugte, verwilderte Geschlecht, emp-fand das Nahen einer wunderbaren Zeit, die ihm vorkam wie ein Märchenaus fernem Lande. Die Zeit. wo auf jedem Ackerstück des Winter- undSommerfeldes dichte gelbe Ähren im Winde wogen, wo in jedem Stalldie Kühe brüllen, in jedem Koben ein rundes Schweinchen liegen sollte,wo sie selbst mit zwei Pferden und lustigem Peitschenknall auf das Feldfahren würden und wo kein feindlicher Soldat die Schwestern oder ihrMädchen mit rohen Liebkosungen an sich reißen durfte; wo sie nicht mehrmit Heugabeln und verrosteten Musketen dem Nachzügler im Buschauflauern, nicht mehr als Flüchtlinge in unheimlicher Waldesnacht aufden Gräbern der Erschlagenen sitzen würden; wo die Dächer des Dorfesohne Löcher, die Höfe ohne zerfallene Scheuem sein sollten; wo manden Schrei des Wolfes nicht in jeder Winternacht vor dem Hoftor hörenmüßte, wo ihre Dorfkirche wieder Glasfenster und schöne Glocken ha-ben würde, wo in dem beschmutzten Chor der Kirche ein neuer Altarmit einer seidenen Decke, einem silbemen Kmzifix und einem vergol-deten Kelche stehen sollte und wo einst die jungen Burschen wieder Bräutezum Altar führen müßten, die den jungfräulichen Kranz im Haaretrügen. Eine leidenschaftliche, schmerzliche Freude zuckte damals durchalle Seelen, auch die wildeste Brüt des Krieges, das Soldatenvolk,wurde davon ergriffen. Fühlten doch selbst die harten Regierenden,die Fürsten und ihre Gesandten, daß der große Friedensakt die RettungDeutschlands vor dem letzten Verderben sei. Feierlich und mit allerInbrunst, deren das Volk fähig war, wurde das Fest begangen. Ausgern Kreise von Dorferinnerungen sei die nachfolgende Festbeschreibungdem Bankett der Fürsten und Feldherren entgegengestellt. .