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Gustav Freytag.
Döllstedt, ein stattliches Kirchdorf des Herzogtums Gotha, hatteschwer gelitten. Im Jahre 1636 hatte das Hatzfeldische Korps den Ortüberfallen, großen Schaden getan, die Kirche geplündert, das Holzwerkausgebrochen und verbrannt, wie solches der Herr Pfarrer Decknerkurz vorher prophezeit hatte. „Dieser liebe Mann", so schrieb seinNachfolger, Herr Pfarrer Trümper, „hatte seine Zuhörer mit gerechtemEifer ihrer Sünden wegen gestraft. Aber seine Strafen und Warnungenhatte man verlacht, ihm allen Verdruß und Undank erwiesen, den Hop-fen von den Stangen geschnitten, das Korn von den Feldern entführt,wie er Anno 1634 mit weinenden Augen klagte. So hatte er auch nichtsanderes als Gottes gerechte Strafe solchen verstockten Herzen ankün-digen können. Nicht nur öffentlich von der Kanzel, sondern auch nochwenige Stunden vor seinem seligen Abschied hatte er solche Klage ge-führt: „Ach, du armes Döllstedt I wie wird dir's nach meinem Abschiedübel gehn!" Und darauf hat er sich gegen die Kirche gewendet und seinmattes und mit dem Tode ringendes Haupt über Vermögen mit Hilfedes Wärters aufgerichtet, als wollte er aus der Kammerecke, wo er seinLeben beschlossen, die Kirche noch einmal ansehn, und hat gesagt: „Ach,du liebe, liebe Kirche! wie wird dir's nach meinem Tode gehn! MitBesen wird man dich zusammenkehren."
Seine Prophezeiung traf ein: das Dorf hatte im Jahre 1636 an5 500 Gulden Kriegsschaden in Rechnung zu stellen, von 1627 bis 1637zusammen 29 595 Gulden, so daß die Einwohner sich nach und nach ver-loren und die Stätte fast ganz wüst stand; im Jahre 1636 waren nochzwei Paar Eheleute im Dorfe; im Jahre 1641, nachdem Baner undim Winter wieder die Franzosen gewirtschaftet hatten, war ein halberAcker Korn bestellt und vier Einwohner vorhanden. Die eifrige SorgeHerzog Ernsts des Frommen von Gotha bewirkte, daß sich in seinemLande die verlassenen Dörfer verhältnismäßig schnell wieder mit Men-schen besetzten. Im Jahre 1650 konnte auch in Döllstedt das „Jubel-und Friedensfest" gefeiert werden. Die Beschreibung desselben folgthier, wie sie der damalige Pfarrer Trümper im Kirchenbuch aufge-zeichnet hat.
„Den 19ten August, Morgens vier Uhr, sind wir mit unsern Ad-juvanteN und den Hausleuten von Gotha auf unsern Turin gestiegen- und haben den Morgensegen musiziert. Gegen sechs Uhr ist, wie denvorigen Tag um ein Uhr auch geschehen, mit allen Glocken angefangenworden zu läuten, eine ganze Viertelstunde, halb acht wieder so lange.Unterdes hat sich das Volk, Mann und Weib, jung und alt, außerwas beim Geläute bleiben müssen, vor dem Tor versammelt, und ist1. das Weibervolk auf einer Seite gestanden und vor demselben derFriede, welchen die adeligen Jungfrauen mit einem schönen grün-seidenen Kleide und anderem Zierat ganz schön ausstaffieret hatten, aufdem Haupt einen schönen grünen Kranz mit eingemengten gelben