Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Persönlichkeit des Großen Kurfürsten.

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würfe auf. Die persönliche Stimmung wurde doch immer durch dieallgemeine Erwägung beherrscht.

In seinem Geiste war etwas Weitausgreifendes, man möchte sa-gen, allzu weit; wenn man sich erinnert, wie er Brandenburg in un-mittelbaren Bezug zu den Küsten von Guinea brachte und auf demWeltmeer mit Spanien zu wetteifern unternahm oder wie er auf denEntwurf einging, zur Begründung einer allgemeinen Wissenschaft einevon aller Rücksicht auf die christlichen Konfessionen unabhängige Uni-versität zu stiften. Er zweifelte nicht an dem Erfolge der geheimenWissenschaften; er liebte von dem Entlegenen und Wunderbaren zuhören, und dabei war er doch durch und durch praktisch. An jeder Tätig-keit der Menschen hat die Imagination großen Anteil: denn das Zu-künftige muß sich dem Geiste in ergreifbaren Formen darstellen. DieVerbindung einer ausführenden Tätigkeit mit einer Phantasie, die vordem Unausführbaren nicht auf den ersten Blick zurückweicht, gibt seinemWesen um so mehr etwas Großartiges und Außerordentliches. Wirfühlen um ihn her die geistige Luft, in welcher der Genius atmet, dieHandlungen, die sich auf einen unendlichen Hintergrund der Gesinnungund der politischen Anschauungen erheben.

In seinen jüngeren Jahren erschien der Kurfürst als ein schönerMann, groß und wohl gewachsen, mit vollem Gesicht, bedeutend aus-geprägten Zügen und hellen Augen. Er vereinigte den Ausdruck derEntschlossenheit mit höflichem Wesen. Man urteilte aus seinem Ge-spräch, daß er die Welt kenne und die Geschäfte verstehe. So erschiener bei jener Zusammenkunft in Bromberg, auf welche dann bald einBesuch der Königin von Polen in Berlin folgte; da kehrte der Kur-fürst eine andere Seite seines Wesens hervor. Er holte sie mit einemGefolge von 4000 Mann ein und einem ansehnlichen Geschütz, das zuihrer Begrüßung gelöst wurde. So begleitete er sie auch, als sie wiederabreiste. Als sie sich von seiner Gemahlin getrennt hatte, ritt er nocheine Zeitlang neben dem Wagen her, stieg dann ab, um persönlich Ab-schied zu nehmen. Der Besuch hatte seiner Gemahlin Louise Henriettevon Oranien gegolten, die auch mit ihm in Bromberg gewesen war; sieerschien neben ihm sanfter und ruhiger; sie war klein, aber wohlge-staltet; sie sprach wenig und verriet eine Neigung zur Melancholie. Siefastete alle Dienstage, weil ihr Bruder an diesem Tage gestorben war.Auch bei festlichen Gelagen hielt sie dies ihr Gelübde; sie nahm die Ge-sundheiten an, die man ihr brachte, und erwiderte sie, ohne zu trinken.Aber mit ihrer religiösen Devotion verband sich doch auch ein Verständ-nis für die vorliegenden Fragen. Sie hielt es beinahe für die Pflichtder Gemahlin eines Fürsten, sich mit den öffentlichen Angelegenheitenzu beschäftigen. Der Kurfürst hat sich bei ihren Ratschlägen wohl be-funden: er hat sie nach ihrem Tode oft vermißt. Die zweite Gemahlindes Kurfürsten, Dorothea von Holstein-Glücksburg, war aus stärkerem