Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Leopold v. Ranke.

Stoff gebildet. Sie begleitete ihn auf seinen Feldzügen, in das Ge-tümmel des Feldlagers, in die Gefahren der Belagerungen; niemalswollte sie ihn verlassen. Sie behandelte ihn als den großen Mann, derer war, und war besorgt für sein Glück und seinen Ruhm. Man findetnicht, daß sie in den großen Angelegenheiten Einfluß auf seine Ent-schlüsse ausgeübt hat; dagegen in seiner äußern Umgebung herrschte sieunbedingt. Unter den Freunden und Genossen der Familie war siebekannt dafür, daß es ihr das größte Vergnügen auf der Welt mache,zu befehlen. Dem Kurfürsten, der sie gewähren ließ, verschaffte sie eineseiner Natur entsprechende Häuslichkeit. Er erscheint als ein Hausvateralter Zeit; wie wenn er vor Tische im Lehnstuhle sitzend, diejBegrüßungseiner Kinder empfing, die ihn ehren, aber auch fürchten. Wie ihn seineBildnisse zeigen und die, welche ihn kannten, versichern, in ihm wareine seltene Verbindung von Ernst und Wohlwollen, Güte und Maje-stät. In jedem Augenblick erschien er würdig und gediegen, seiner Stel-lung bewußt, die doch größtenteils sein eigenes Werk war. Er hat denbrandenburgischen Staat nicht etwa geschaffen; denn in seinen Grund-lagen bestand derselbe bereits und hatte seinen eigentümlichen Cha-rakter: aber diese Bestandteile hat Kurfürst Friedrich Wilhelm nichtallein zusammengehalten, sondern auch solche von wesentlichster Be-deutung hinzugefügt und ihnen die Idee eines Staates eingehaucht,das Bewußtsein nicht allein eines äußern, sondern auch eines innernZusammenhaltes.

Dies geschah zuerst im Kriege durch die Aufstellung einer ausallen Teilen zusammengesetzten und überall aus freiwilliger Bei-stimmung hervorgegangenen Armee. Die bewaffnete Macht warder vornehmste Mittelpunkt der Einheit des Landes; sie hat ihmselbst und allen seinen Nachfolgern ihre Stellung in der Welt gegeben.Seine ganze Staatsverwaltung beruht darauf. Er selbst hat der Armeezwei Dritteile seiner Einkünfte zugewendet. Seinem Nachfolger hater das Heer sterbend als seine eiserne Hand empfohlen und denselbenverpflichtet, sie aufrecht zu erhalten. Ein anderer Moment, der alleszusammenhielt, war die Religion. Nicht sowohl die Ausbreitung desevangelischen Bekenntnisses, als die Verteidigung desselben hat seinePolitik alle die Jahre seiner Regierung hindurch beschäftigt. Anknüpfendan die Altvordem hat er dem werdenden Staat seinen protestantischenCharakter auf das tiefste eingeprägt und ihn für alle Folgezeit befestigt.Die Verbindung Brandenburgs mit dem Reiche war die Grundlageseiner Politik. Die Idee des Reiches trug er tief in seiner Seele; mansagte wohl: er sei der einzige, in welchem diese Idee lebe; ohne ihnwürde sie zugrunde gehen. Und wenn Brandenburg durch ihn eine ge-sicherte Stellung in Deutschland und Europa gewann, so hat er gleichsamseinen Nachkommen ihre künftigen Bahnen demgemäß vorgezeichnet.Die Eroberung von Pommern in den Verbindungen, in denen sie