Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Würdigung König Friedrich Wilhelms I.

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dem kleinsten dieser drei Machthaber, mit dein alten Dessauer, verbandFriedrich Wilhelm denn auch eine innige Freundschaft von früh an biszum Tode. Es wird selten solchen Seelenbund zwischen Fürsten gegebenhaben wie zwischen diesen beiden. Er hat seinen greifbarsten Ausdruckgefunden in einem ausgedehnten Briefwechsel, der viele hundert BriefeFriedrich Wilhelms umfaßt und in denen sich der preußische König sounmittelbar gibt, wie sonst nur noch in den allervertraulichsten Akten-stücken. Jene drei Fürsten, von denen der Dessauer auch der Waffen-gefährte Friedrich Wilhelms war, überragt der preußische König durchseine sittliche Stärke. Wir bewundern es als oen erhabensten Wahlsprucheines Fürsten, der erste Diener seines Staates sein zu wollen. DiesenGrundsatz hat vor Friedrich dem Großen schon dessen Vater praktischbis zur äußersten Konsequenz durchgeführt. Ja, er hat ihm auch bereitsAusdruck gegeben, indem er erklärte, sein eigener Feldmarschall und seineigener Minister sein zu wollen. Bei einem solchen Programm, ver-bunden mit Friedrich Wilhelms impulsiver Tatkraft und der Vehemenzseines Willens, mußte Großes gelingen, um so mehr, da bei der Ein-seitigkeit seiner Verstandes- und Bildungsrichtung sich seine Kräfte undseine Leidenschaft auf wenige Punkte konzentrierten. So ist es gekom-men, daß König Friedrich Wilhelm I. den preußischen Militär- undBeamtenstaat recht eigentlich begründete, die absolute Monarchie Preu-ßen schuf, die Kräfte des Königreichs in einem Maße, wie es sonst kaumin einem andern Staate so schnell geschehen ist, durch äußere und innereHilfsmittel hob und Preußens größter „innerer König" wurde.

Das Gepräge, das dieser eiserne Zuchtmeister dem preußischenStaate aufgedrückt hat, ist in den wesentlichsten Zügen bis auf den heu-tigen Tag erhalten geblieben. Durch eine Fülle von Reformen hat erdein Staate die neue Gestalt gegeben. Er vor allem hat das preußischeHeer geschaffen und gedrillt. Er hat das Kantousystem ins Leben ge-rufen und zuerst den Gedanken der allgemeinen Wehrpflicht aufge-bracht. Kein Hohenzoller ist so einseitig und mit solcher Lust und LiebeSoldat gewesen wie er, selbst nicht Kaiser Wilhelm I. Er hat ganzeArbeit damit gemacht, die entgegenstehenden ständischen Gewalten zubeseitigen, was einst sein großer Ahn Kurfürst Friedrich Wilhelm be-gonnen hatte, indem er das Steuerbewilligungsrecht der Stände unddie ständische Mitaufsicht über die Provinzialfinanzen beseitigte unddadurch seine Krone wie einen „isolier äe Lrou-s stabilierte," wie er esin seiner Sprache ausdrückte, nämlich die Souveränität felsenfest be-gründete. Er hat das Steuerweseu so gründlich geregelt, daß es einJahrhundert unverändert blieb. Im Kampfe gegen den Adel seinerTerritorien vermehrte er den Domauialbesitz, einer heillosen Unord-nung ein Ende machend; zugleich erweiterte er diesen Besitz durch an-sehnliche Ankäufe. Er hat ftir fünf Millionen Taler neue Domänengekauft und für etwa zwei Millionen Güter zur Ausstattung seiner