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Hermann v. Petersdorff.
völlig erkennen ließ) „und ich bitte dich um alles in der Welt, traue denLeuten nicht, die auch noch so viele Versprechungen machen. — Ja,den Tag, da kam ein Mann zu mir, das war, als wenn man mir einenDolch im Leibe umgewandt hätte." Nichts ist erklärlicher, als daß derschlichte Herr in seiner Herzenseinfalt immer mehr von Mißtrauen gegendas Ränkespiel seiner Zeit erfüllt wurde. Ani wenigsten vergalt er nocheinem der schlimmsten Virtuosen in diesem Fache das, was er an ihnigesündigt hatte, dem Grafen Seckendorff, der ihn ebenso wie derin österreichischem Solde stehende preußische Feldmarschall FriedrichWilhelm v. Grumbkow mit Meisterschaft zu behandeln wußte. VonGrumbkows Arglist hatte er mehr Begriff. Schon 1722 äußerte er überdiesen zu seinem Sohne in seinem Testamente: „Er ist aber sehr interes-siert und auf seine Absichten erpicht. Gehet mit ihn: höflich um, mar-kieret ihm Konfidence, so bisweilen." Manchmal schwindelte ihm obder Machenschaften dieser Welt, und in solchen Stunden fand er in derReligion einen Halt. „Gott hat mir bewahret, sonst hätte ich müssennärrisch werden vor Schimpf und moguerio vor die ganze Welt," sagter einmal. Oft war er aber auch der Verzweiflung nahe. Gerade injenen Tagen, da er des Verrats Österreichs inne wurde, hat er an denDessauer geschrieben: „Ich begreife nits mehr in dieser Welt, Gott gebenur bald ein seliges Ende und aus allen die Schelmereien ein Ende zumachen, da es nit länger auszuhalten ist." Wie auch Friedrich Wil-helm IV. empfand er solche Demütigungen, an denen die von ihm be-liebte Politik nicht unschuldig war, tief innerlich. „LrZo ich mich sehrprostituieret habe vor die Welt und ich vor fremde Leute nicht gern hörevon Preußen sprechen, denn ich mich schäme," beichtete er schon 1727dem Dessauer. So kam es, daß sein Wesen oft einen melancholischenZug annahm und daß er sich nach dem Tode sehnte. „Wohl dem, der amersten stirbt und bei Gott kommt, der ist am glücklichsten, denn auf derWelt lauter nichts ist als Torheit" heißt es in einem seiner Briefe.
Hätte er es auch gewollt, so wäre er doch schon körperlich nichtmehr in der Lage gewesen, Österreich für seine Treulosigkeit zur Verant-wortung zu ziehen, nachdem sie offenkundig geworden war. Schonfrüh verfiel er in einen schwer leidenden Zustand. Vor allem quältenihn Gicht und Podagra. Er machte sich bald darauf gefaßt, eines zeitigenTodes zu sterben. Zwar erholte er sich mehrere Male kraft seiner Riesen-natur von tödlichen Erkrankungen. Aber sein Körper wurde immerschwerfälliger. Von außerordentlicher Leibesfülle konnte er in denletzten Jahren kaum von vier Männem aufs Pferd gehoben werden.In seinen Schmerzen hat er sich häufig die Zeit vertrieben, indem erdie größten Riesen in seiner Leibgarde malte. Diese Riesengarde unddiese banausischen Spielereien sind ein nebensächlicher Zug seines We-sens, der das Los gehabt hat, viel mehr in der Mit- und Nachweltbemerkt zu werden, als er es verdient. Kauin ein Mensch ist ohne Schrul-