Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Friedrich der Große nach dem Siebenjährigen Lriege.

Von Reinhold Koser.

Als König Friedrich am 15. Februar 1763 zu der ruhmreichen Be-endigung des Krieges mit dem Worte beglückwünscht wurde, dieser Tagwerde der schönste seines Lebens sein, entgegnete er: „Der schönste Tagim Leben ist der, an dem man es verläßt." In dieser weltmüden Stim-mung hatte er während des Krieges gern von seinem Plane gesprochen,beim Friedensschlüsse die Regierung niederzulegen, da man zwischenall den Wirrwarr und das letzte Stündlein eine Ruhepause einschiebenmüsse: da wolle er dann ohne jeden Zwang auf dem Lande leben, ineinem einfachen Hause, dessen Zeichnung er sich schon entworfen hatte,100 000 Taler jährlich von den Staatseinkünften sich vorbehalten, 12 000für seine Tafel, 20 000 für Liebhabereien verwenden, den Rest als Jahr-gelder unter seine Gefährten verteilen; jeder Fremde von Geist und be-kanntem Namen solle willkommen sein, bis auf die lediglich durch ihreNeugierde herbeigeführten Gaffer; das heiße sich die letzte kurze Streckedes Lebenspfades mit Blumen bestreuen.

Mit einem ähnlichen Plan zur Weltflucht und zu beschaulichemStilleben hatte auch sein Vater gespielt, und noch manch anderer Fürstund Staatsmann hat unter des Tages Last und Hitze beteuert, sich nachvoller Ruhe zu sehnen. Aber wem eine Herrscherseele und die Herrscher-kunst zum Erbteil gefallen sind, dem bleibt doch, hoch über allen Anwand-lungen der Müdigkeit, „zu seiner Kunst die ewige Leidenschaft," und erwird mit Willen nie der starken und stärkenden Gewohnheit des Be-fehlens, des Wirkens entsagen. Der ruhige Genuß wäre seiner Herren-art zuwider.

Zudem aber vergaß eine Herrschernatur wie König Friedrich nie,daß Herrschaft Dienst ist und daß des Staates erster Diener, als den ervorlängst sich bezeichnet hatte, durch seine Dienstpflicht an den Staatgekettet blieb.

Vorab galt es, das Versprechen einzulösen, das er 1760 inmittender größten Schrecknisse des Krieges in einem Erlaß aus seinem Haupt-quartier niedergelegt hatte: „daß er hiernächst als ein rechtschaffener undtreuer Landesvater alles ihm auf der Welt nur mögliche tun werde.