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Reinhold Koser.
Zwecke nach eine Dienstreise und Erkundungsfahrt. Nicht um derSchaustellung willen kam der Landesherr, das Elend wollte er miteigenen Augen sehen. Überall mußten Berichte und Zahlen vorgewiesenwerden als Unterlagen für die Bemessung der überall unentbehrlichenSpenden an Geld, an Aussaat und Brotkorn, an Vieh und Baustoff.
Zum 30. März meldete sich Friedrich in Berlin an. Die Straße ausSchlesien führte ihn an dem Kunersdorfer Schlachtfeld vorbei. DerBesuch dieser Schicksalsstätte am Morgen des 30. war gleichsam derletzte Abschied vom Kriege vor der Rückkehr in die Hauptstadt. Auchsonst gab es unterwegs allerhand Aufenthalt. Zu Taßdorf, sechs Meilenvor Berlin, begrüßte den König während des Pferdewechsels der Land-rat v. Nüßler von Niederbarnim und schilderte ihm den Notstand derKreisinsassen in Gegenwart einer großen Menschenmenge — denn über-all auf den Vorspannplätzen war viel Volk aus der Umgegend zusammen-geströmt. Der König beschied ihn für den zweitnächsten Tag nach Ber-lin auf das Schloß; dort werde er mit allen Landräten der Kurmarkbesprechen, wie er dem Lande helfen könne und wolle.
So wurde erst in später Abendstunde, zwischen 8 und 9 Uhr, die Haupt-stadt erreicht; seit Stunden erwartungsvoll auf dem Platze, hatten dieBürger sich noch eben mit Fackeln versehen. Unter der Ehrenpforte amFrankfurter Tor nahm der König die Glückwünsche des Magistrats ent-gegen; den ihm von der Stadt dargebotenen Prunkwagen mit den„goldbehängten Rossen" bestieg er nicht, sondern lenkte mit seinem Reise-gespann, weiteren Huldigungen ausweichend, durch abseits gelegeneStraßen dem Schlosse zu, wo die Königin mit den Prinzen und Prin-zessinnen und dem ganzen Hofstaat ihn erwartete. Am Morgen kamendie einzelnen Abordnungen mit ihren gestern abend nicht überreichtenGlückwunschgedichten zu ihrem Recht: die. Kaufmannschaft, die fran-zösische Kolonie, das Schlächtergewerke als die vornehmste Innung, dieSchützengilde. Ihrem Empfang schloß sich gegen Mittag eine großeCour an; dann zeigte sich der König der jubelnden Bevölkerung aufeiner Umfahrt durch die Straßen nachträglich in dem Einholungswagen,ihrem Geschenk. Eine allgemeine Illumination und mehrfache Hoffest-lichkeiten blieben für die nächsten Tage aufgespart.
„Ich befinde mich in einer Stadt," schreibt Friedrich kurz nach seinerAnkunft an seine Schwester Ulrike nach Stockholm, „wo ich die Mauernkenne, aber wo ich die Personen, die der Gegenstand meiner Ehrfurchtoder meiner Freundschaft waren, nicht wiederfinde. Ich bin fremdhier, meine liebe Schwester, diese sieben Kriegsjahre haben die ganzeStadt verändert, es bleiben wenige übrig von meiner Bekanntschaft,und wenn ich von den Gebäuden absehe, würde ich hier so fremd sein,als ob ich in London wäre."
Die Landräte waren am 1. April pünktlich zur Stelle. Nüßlerführte das Wort, lebhaft und eindringlich. Der König unterbrach ihn: