Band 
I. Teil. Von der germanischen Urzeit bis zur französischen Revolution.
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Reinhold Koser.

im Urteil der Berliner über Friedrich. Nach dem „unbeschreiblichenEnthusiasmus," der sich während des Siebenjährigen Krieges „sowohlder Untertanen als selbst weit entfernter Ausländer" bemächtigt hatte,trat in den ersten Friedensjahren, unter dem Druck einer wirtschaftlichenNotlage ein entschiedener Rückschlag ein: man hielt den König, sagtNicolai, „fast allgemein für einen bloßen Soldaten, dessen Pläne nurauf Krieg gerichtet wären". Dieses Vorurteil sei endlich gewichen, zu-mal seitdem in der Teuerung und Hungersnot zu Beginn der siebzigerJahre sich die Umsicht und der Nutzen seiner Wirtschaftspolitik offen-bart habe: „Aufmerksame Beobachter fingen an einzusehen, welche großeWirkungen ununterbrochene Tätigkeit, die nur auf wenige, aber wohl-geordnete Zwecke sich einschränkt, verbunden mit Ordnung und mitunermüdetem Ausdauern, hervorbringen kann."

Förster hatte in Berlin in Nicolais Kreise verkehrt, in der Gemeindeder Aufklärer. Wäre er nicht bloß mit den freisinnigen Theologen,sondern etwa auch mit dem positiver gerichteten Konsistorialrat Büschingin Berührung gekommen, er würde auch minder lobende Urteile überFriedrich gehört haben. Wie die erklärten Gegner der Berliner Auf-Kärung dachten, wissen wir aus den Briefen des „Magus im Norden,"des Königsberger Akzisesekretärs Hamann. Dem war Berlin das ver-haßte „Babel;" er schalt, daß alles ein Leisten, ein Schuh sein solle, Fa-briken und Heerdienst, Literatur und Kritik, und von der branden-burgischen Herrschaft über Preußen meinte er: „Es war dem Herzogtumkeine solche Schande, von Polen abzuhängen, als es dem Königreichein Unglück ist, abzuhängen von der Politik der Chaldäer im deutschenReiche." Minder fanatisch, aber hinreichend offenherzig äußerte sichWielaud: „König Friedrich ist zwar ein großer Mann, aber vor demGlück, unter seinem Stocke sive Szepter zu leben, bewahre uns derliebe Herrgott."

Begeben wir uns aus dem engeren Kreise der Gebildeten in dieMitte des Volks. Der Breslauer Garve hat zutreffend bemerkt, derKönig habe sehr wohl gewußt, daß viele seiner Maßnahmen zum Bestendes Landes nicht den Beifall des Publikums hatten, sondern bald Miß-vergnügen, bald Tadel erregten, wie die Einschränkung des Handelszu gunsten der Fabriken und selbst die Kolonieanlagen; aber er seiimstande gewesen, sich durch die bloße feste Überzeugung von der Nütz-lichkeit oder der Rechtmäßigkeit einer Handlung für den ausbleibendenRuhm und selbst für den Tadel schadlos zu halten. Nach so mancherNeuerung, durch die er seit 1763 die öffentliche Meinung gegen sichherausgefordert hatte, nach dem neuen Akzisetarif, der Berufung derfranzösischen Zöllner, der Besteuerung des Transithandels und dem Ta-baksmonopol, trug endlich 1781 die Einführung der Kaffeeregie diestärkste Erregung in die Gemüter. Und nun spielt sich vor unserenAugen jener kennzeichnende Auftritt ab. Der alte König reitet, nur von