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Wilhelm Wiegand.
wieder kommt ihm jener berühmte Vers der Racineschen Phädra, derwamend vor seiner Seele steht, auf die Lippen: „Freundschaft, Freudegroßer Seelen, Freundschaft, welche die Könige, die erlauchten Un-dankbaren, zu ihrem Unglück niemals kennen lernen." Sicher ist er beider Wahl seiner Freunde nicht dem blinden Zuge des Herzens alleingefolgt, aber noch weniger wird man ihm kluge Berechnung vorwerfendürfen. War geistige Interessengemeinschaft wohl das stärkste verbindendeBand, so zeigt doch sein schönes Wort über Winterfeldt: „Er war ein guterMensch, ein Seelenmensch, er war mein Freund," daß er auch die Eigen-schaften des Herzens und Gemüts zu schätzen wußte. Hat er freilich nurwenige unter den Genossen seiner Gesellschaft mit den Pfeilen seinesSpottes verschont, so manchen damit von seiner Seite getrieben, heiligblieb ihm doch allezeit das Gefühl der Freundschaft selbst, das ihn unsals Menschen am nächsten bringt. Die Liebe zum Vaterland aber,der er im Schwung seiner Verse, im Lehrtone des Dialogs und hundert-fach sonst in seinen Briefen und Schriften gehuldigt, die ihn zu dem welt-bürgerlichen Zuge der Aufklärung in Gegensatz stellt, sie ist für ihn nichtdie „heroische Schwachheit" Lessings, sie gehört zur Rüstung des großenStaatsmannes, zum geistigen Kronschatz des Königs ebenso wie dieflammende Leidenschaft des Ruhmes, die seine Jugend durchglüht, derrastlos sinnende und wirkende Ehrgeiz der Macht, mit der er auf derHöhe und im Niedergang seines Lebens das innerste Gesetz seinesStaates vollstreckt.
Mit der Ruhe des philosophischen Denkers und der Umsicht desbelesenen Geschichtskundigen hat er wiederholt die Vorzüge und Nach-teile der Staatsformen gegeneinander abgewogen. Wenn er sich immerwieder zum Schlüsse für die Monarchie entschied, wenn er endlich denAngriffen der Enzyklopädisten und Materialisten gegen die moimrchischenInstitutionen selber entgegentrat, den grauen schimärischen Gespensternihrer Theorien die lebendige Wirklichkeit seiner Regierungserfahrungengegenüberstellte, so gab er nicht nur seiner reiflichen Überzeugung Aus-druck, es sprach aus ihm die innere Stimme des geborenen Herrschers.Die kaum zu bewältigende Größe seiner Aufgabe hat er sich nie verhehlt,oft und schmerzlich genug hat er über die ungeheure Last geklagt, dieer als einzelner tragen müsse; aber immer wieder triumphierte die Selbst-herrlichkeit seiner königlichen Natur, die, wie einer seiner Vertrautenrichtig beobachtet hat, allen Gebieten des Lebens, der Kunst wie derWissenschaft die Gesetze diktieren wollte. „Es ist nicht nötig, daß ich lebe,wohl aber, daß ich handle, daß ich meine Pflicht tue und für das Vater-land kämpfe," mit diesen Worten hat er seinem Königtum für immerdas charakteristische Gepräge gegeben.
^ Für das Zeitalter der Aufklärung ist Friedrich der königliche Re-präsentant, für den aufgeklärten Absolutismus hat er den maßgebendenvollendeten Typus geschaffen.